Der Papst meisterte die schwierige Türkei-Reise mit Bravour - "Kathpress"-Korrespondentenbericht von Johannes Schidelko
Istanbul, 1.12.06 (KAP) Die düsteren Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet. Statt Massenprotesten und Feindseligkeit fand der Papst in der Türkei interessierte Politiker und ein freundliches Medienecho. Die lobenden Worte von Benedikt XVI. für die Türkei, seine Feststellung, er komme "als Freund, als Apostel des Dialogs und des Friedens" ließen Vorurteile kippen. Vor allem aber schlug die Stimmung auf Grund seines angeblichen Plädoyers für einen türkischen EU-Beitritt um - egal, ob Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan die Papst-Worte überinterpretiert hatte oder nicht.
Es war eine ganz andere Papstreise: Keine jubelnden Menschenmassen, keine großen Freiluftmessen, keine Willkommensplakate. Eine Reise unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit, die vom vatikanischen Gast allenfalls über die Medien Notiz nahm. Nur die rigiden Sicherheitsmaßnahmen, mit denen die Türkei nach Drohungen jede Gefährdung und Belästigung des Papstes unterbinden wollte - und die aufwendiger waren als beim Bush-Besuch - ließen in Ankara oder Istanbul ein Großereignis erkennen.
Dabei galt der Papstbesuch in erster Linie dem Ökumenischen Patriarchat, außerdem wollte Benedikt XVI. die kleine katholische Gemeinde stärken. Drittes Anliegen war der delikate Kontakt zum Islam, der durch die Polemik um die "Regensburger Vorlesung" zusätzlich belastet war. In allen drei Bereichen verzeichnete Benedikt XVI. bei seiner Reise Erfolge.
Der Antrittsbesuch des neuen Papstes beim Oberhaupt der Weltorthodoxie kam zu einem Zeitpunkt, als gerade eine ökumenische Kälteperiode überwunden und der offizielle theologische Dialog wieder aufgenommen war. Benedikt XVI. bezeichnete die Ökumene als ein zentrales Anliegen seines Pontifikats. Die Trennung der Kirchen sei ein Skandal, sie schade der christlichen Glaubwürdigkeit. In einer Gemeinsamen Erklärung versprachen Benedikt XVI. und Bartholomaios I. die Intensivierung der theologischen Gespräche, auch über schwierige Themen - bis hin zum Petrus-Dienst, über dessen Ausübung Benedikt XVI. zum Dialog aufforderte. Verstärkt werden soll die Zusammenarbeit gegen Krieg, Hunger und Terror in der Welt. Ganz besonders ging es Papst und Patriarch um Europa: Sie forderten, die Kräfte zum Einsatz für christliche Werte und Menschenrechte, für Religionsfreiheit und Minderheitenschutz zu bündeln.
Zwei Mal - in Ephesos und in Istanbul - traf Benedikt XVI. mit den Katholiken des Landes zusammen. Er ermutigte sie und sprach ihnen die Solidarität der Weltkirche aus, die sie nicht vergessen habe - auch wenn die türkischen Christen sich oft von ihren Glaubensbrüdern im Stich gelassen fühlen. Der Papst verwies auf die alten Wurzeln des Christentums in dieser Weltregion, wo Paulus, der Evangelist Johannes und die Gottesmutter Maria gelebt haben. Ob der Papstbesuch für die Christen Besserungen ihrer Lage bringt, muss sich zeigen.
Als besonders schwierig erwartete man, gerade nach den Diskussionen der letzten Wochen, den Kontakt mit dem Islam. Allerdings verlief das Treffen mit Chef des staatlichen Religionsamtes ("Diyanet"), Prof. Ali Bardakoglu, sachlich-konstruktiv, vorsichtig, um Verständigung bemüht. Benedikt XVI. mahnte Dialog und Respekt zwischen Christen und Muslime ein, forderte eine Zusammenarbeit für ethische Werte, Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität. Die "Regensburger Rede" wurde nicht eigens angesprochen, war aber nicht vergessen, wie auch in Bardakoglus Rede hörbar wurde.
Beeindruckender als diese Worte war jedoch der Papstbesuch in der Blauen Moschee. Vor dem Mihrab, der Gebetsnische, stand Benedikt XVI. mehrere Augenblicke im stummen Gebet neben dem Großmufti der Bosporus-Metropole, Prof. Mustafa Cagrici. Es war eines der Bilder, die um die Welt gehen und nicht in Vergessenheit geraten.






