Kardinal-Patriarch Sfeir beklagt Abwanderung der Christen
Papst Benedikt XVI. empfängt den libanesischen Präsidenten Michel Sleimane am 30. Oktober in Privataudienz=
Beirut-Vatikanstadt, 15.10.08 (KAP) Der maronitische Patriarch, Kardinal Nasrallah Boutros Sfeir, hat bei der Weltbischofssynode im Vatikan vor einem "Ausbluten" des christlichen Libanon gewarnt. Die Lage der Christen werde "immer kritischer und schwieriger", sagte der Patriarch vor der Bischofsversammlung. Die Kirche verliere durch Auswanderung von Jahr zu Jahr mehr Gläubige. "Wenn die Emigration im gleichen Takt anhält, kann man sich, ohne pessimistisch zu sein, fragen, wie viele Christen noch im christlichen Orient bleiben", sagte Sfeir.
In den vergangenen vier Jahrzehnten seien mehr als eine Million Libanesen, Muslime wie Christen, aus ihrer Heimat ausgewandert, so der Patriarch. Den Libanon habe zwar über die Jahrhunderte ein im Ganzen gutes Verhältnis zwischen Muslimen und Christen charakterisiert; in letzter Zeit sei das Zusammenleben aber "umso schwieriger geworden, als Einmischungen von außen die Lage verkompliziert" hätten, sagte Sfeir.
Papst Benedikt XVI. wird den neuen libanesischen Präsidenten Michel Sleimane am 30. Oktober in Privataudienz empfangen. Sleimane ist - wie es der "Pact Nationale" von 1943 vorschreibt - maronitischer Katholik. Sleimane war am 25. Mai nach zweijähriger Staatskrise gewählt worden. 118 von 127 Abgeordneten gaben am 25. Mai dem einstigen Armeekommandanten ihre Stimme. Sleimane wurde 1948 in Amchit geboren, 1967 trat er in die Armee ein.
Der Vatikan hatte die schwierige politische Situation im Libanon mit großer Sorge verfolgt. Knapp vor der Wahl Sleimanes appellierte Benedikt XVI. an die Libanesen, "jede Logik der aggressiven Opposition" zu überwinden. Die vatikanische Diplomatie hatte sich intensiv in die Bemühungen zur Lösung der libanesischen Staatskrise eingeschaltet.






