Frühjahrsvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz
Vom 3. bis 6. März hielt die Österreichische Bischofskonferenz ihre traditionelle Frühjahrsvollversammlung ab. In diesem Jahr fand die Tagung im Niederösterreichischen Reichenau in einem Seminarzentrum der Militärdiözese statt.
Im Mittelpunkt der Beratungen der Bischöfe standen die aktuelle kirchliche und gesellschaftliche Situation, wie sie sich in den Presserklärungen über das Gedenkjahr 1938, die derzeit viel diskutierte Frage der Stammzellforschung in Österreich, den Klimaschutz und das OGH-Urteil niederschlägt. Weiters wurden die Zuständigkeiten innerhalb der Bischofskonferenz zum Teil neu geordnet und Kommissionen, Referate und Kontakte neu vergeben.
Im Blick auf das Gedenkjahr 1938 laden die Bischöfe ein, in das Gedenken an die Opfer einzustimmen. Der Blick auf die Vergangenheit sei "notwendig, auch wenn die Probleme von heute scheinbar ganz andere sind", heißt es in der Presserklärung der Bischöfe. Kirchliche Verantwortungsträger wie Gläubige standen damals "in der Spannung zwischen zwei Weisungen" des Neuen Testaments: Auf der einen Seite das Wort des Römerbriefs, "Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam", auf der anderen Seite das klare Petrus-Wort "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen".
Es sind leuchtende Vorbilder wie der Selige Franz Jägerstätter, der "die richtige Gewichtung dieser beiden Worte" lehre, so die Bischöfe (weitere "prophetische Stimmen" im Portrait). Die Bischöfe erinnern daran, dass auch im Blick auf die Kirche Täter- und Opfergeschichten eng miteinander verwoben sind. Viele wurden auch in den Reihen der Kirche schuldig - hier müsse die Kirche stets sich selbst an die große Vergebungsbitte Papst Johannes Pauls II. im Jahr 2000 erinnern. Zugleich gibt es auch in den Reihen der Kirche auch jene, "die bis in den Tod dem Evangelium treu geblieben sind", darunter die Selige Sr. Restituta Kafka, den Seligen Pfarrer Otto Neururer, Franz Jägerstätter und andere. Die Bischöfe: "Im Gedenken an jene, die damals den Mut hatten, gegen den Strom zu schwimmen, ermutigen die Bischöfe dazu, auch heute Bedrohungen der Menschenwürde entgegenzutreten."
Im Blick auf die Frage des Klimaschutzes betonen die Bischöfe, dass die Schöpfungsverantwortung "zu den selbstverständlichsten Aufgaben der Christen" zählt. Da gerade Österreich den Klimawandel besonders stark zu spüren bekomme, sei ein "moralisches Erwachen" notwendig, so die Bischöfe in Erinnerung an ein Wort Papst Benedikts XVI. Für die Bischöfe bedeute dies eine "Selbstverpflichtung für die katholische Kirche in Österreich, sich im eigenen Bereich für den Schutz der Umwelt, für Nachhaltigkeit und für einen Lebensstil einzusetzen, der der Verantwortung für die Schöpfung entspricht".
Im Blick auf die Stammzellforschung fordern die Österreichischen Bischöfe ein "absolutes gesetzliches Verbot jeglicher 'verbrauchenden Forschung' mit menschlichen Embryonen". Dieses Verbot müsse auch das Verbot zum Import bereits bestehender Stammzelllinien umfassen, so die Bischöfe. Diese Forderung ergebe sich insbesondere aus den großen Erfolgen bei der Forschung an reprogrammierten iPS-Stammzellen (induzierte pluripotente Stammzellen). Internationale Forschungsergebnisse zeigen, dass die Fortschritte in diesem Bereich eine weitere Forschung an embryonalen Stammzellen letztlich nicht mehr zwingend erfordere.
Mit Sorge blicken die Österreichischen Bischöfe auf das jüngste Urteil des Obersten Gerichtshofes in der Frage des Schadensersatzanspruchs jener Eltern, die eine Ärztin auf Schadensersatz geklagt hatten, weil diese eine Behinderung des Kindes nicht erkannt hatte. Die Entscheidung des OGH, den Eltern den Ersatz sämtlicher Lebensunterhaltskosten für das Kind zuzusprechen, sei "folgenschwer", so die Bischöfe, da die Ärzte in Zukunft noch mehr darauf drängen könnten, "dass beim beringsten Anzeichen der Möglichkeit einer Behinderung des ungeborenen Kindes eine Abtreibung erfolgt". Das Urteil fördere daher "Angstdiagnosen". Hier sei der Gesetzgeber aufgefordert, das Lebensrecht von Menschen mit Behinderung unbedingt sicherzustellen, so die Bischöfe: "Die einmalige Würde und das Lebensrecht jedes Menschen scheint vielen nicht mehr ganz bewusst zu sein".
Weiters wurde in Reichenau eine Begegnung der österreichischen Bischöfe mit ihren ungarischen Mitbrüdern vorbereitet, die für Ende April in Esztergom vorgesehen ist. Diese Begegnungen mit den Bischöfen der Nachbarländer sollen die Impulse des Mitteleuropäischen Katholikentages von 2004 weiterführen.













