Frühjahrsvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz
Schritte der Versöhnung und eines neuen Dialogs will die österreichische Bischofskonferenz nach den jüngsten Turbulenzen in der österreichischen Kirche setzen. Das betonte Kardinal Christoph Schönborn bei der Pressekonferenz zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe vom 9. bis 12. März in Innsbruck. Dies gelte insbesondere für die Diözese Linz, wo bereits konkrete Schritte für einen "Versöhnungsprozess" geplant seien. Auf der Österreich-Ebene wird ein Kongress der Pfarrgemeinderäte in Mariazell im Mai 2010 ein wichtiges Zeichen setzen.
Bei ihrer Tagung in Innsbruck diskutierten die Bischöfe darüber hinaus auch die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise, die verabschiedete Steuerreform und die derzeit diskutierte Frage nach dem Verhältnis von Religions- und Ethikunterricht.
Finanz- und Wirtschaftskrise
Im Blick auf die aktuelle Krise unterstreichen die Bischöfe ihre Solidarität mit den unmittelbar Betroffenen, deren materielle Lebensgrundlage in Frage gestellt ist. Die Krise spiegle zugleich "schwere moralische und strukturelle Mängel der modernen Gesellschaft", heißt es in der Erklärung der österreichischen Bischöfe. Dagegen formulieren die Bischöfe ihr Plädoyer für die Einhaltung der Grundsätze der katholischen Soziallehre. Bei diesen Prinzipien gehe es insbesondere um die Solidarität mit den Ärmsten und Schwächsten und um die Orientierung am Gemeinwohl, aber auch um den grundlegenden Respekt vor der Würde der Person, um Selbstverantwortung sowie um einen nachhaltigen Lebensstil, der den ökologischen Grenzen und der Verpflichtung zur weltweiten Gerechtigkeit Rechnung trägt. Im Ganzen habe dieses Modell die Lebensbedingungen der großen Mehrheit der Menschen in Österreich und anderen europäischen Ländern entscheidend verbessert.
Kein "verpflichtender" Ethikunterricht
Darüber hinaus sprechen sich die Bischöfe gegen einen allgemeinen verpflichtenden Ethikunterricht für alle SchülerInnen aus. Bei aller positiven Sicht eines "ergänzenden" Ethikunterrichts müsse festgehalten werden, dass in einem Land, in dem 90 Prozent der Bevölkerung einer Religionsgemeinschaft angehören, der Ethikunterricht nicht für alle Schüler verpflichtend sein könne. Denn dies würde eine "Relativierung des konfessionellen Religionsunterrichts bedeuten".
In diesem Zusammenhang erinnerte Kardinal Schönborn daran, dass der Religionsunterricht in Österreich "gut angenommen" sei. 95 Prozent aller katholischen Schülerinnen und Schüler - 730.000 Kinder und Jugendliche - besuchten den katholischen Religionsunterricht als Pflichtgegenstand. Zusätzlich nehmen mehr als 25 Prozent der der Schülerinnen und Schüler ohne religiöses Bekenntnis am katholischen Religionsunterricht als Freigegenstand teil.
Lob für Absetzbarkeit des Kirchenbeitrags
Ausdrücklich willkommen heißen die Bischöfe die beschlossene Erhöhung des Absetzbetrages für den Kirchenbeitrag von 100 auf 200 Euro. Dabei handle es sich jedoch nicht um ein "Geschenk für die Kirche", sondern um ein "unübersehbares Zeichen dafür, dass der Staat den Beitrag der Katholiken zum Gemeinwohl würdigt und anerkennt", so die Bischöfe.
Der Kirchenbeitrag ermögliche erst die umfassende soziale Tätigkeit der Kirche, auch sichere er das Fortbestehen des dichten Netzwerkes von mehr als 4.000 Pfarren und Seelsorgestellen österreichweit. Mit 60.000 hauptamtlich Beschäftigten sei die katholische Kirche zudem einer der größten Arbeitgeber in Österreich.
Auch danken die Bischöfe in ihrer Erklärung allen Gläubigen, "die in großer Treue diesen Solidarbeitrag leisten", gerade auch in wirtschaftlich schwierigen Situationen oder wenn "in der Kirche Situationen entstehen, die Anlass zur Kritik geben".
Europawahlen: Von Wahlrecht Gebrauch machen
Anlässlich der - in Österreich am 7. Juni bevorstehenden - Wahlen zum Europäischen Parlament appellieren die Bischöfe an alle Wahlberechtigten, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Die Christen könnten auf diese Weise ihre Mitverantwortung für den "Bauplatz Europa" wahrnehmen. Die Ausübung des Wahlrechts sei "ein wichtiger Beitrag für eine weitere friedlich Entwicklung des europäischen Kontinents", heißt es wörtlich in der Erklärung.













