Selige Hildegard Burjan
"Sozialpionierin", "Anwältin der Unterdrückten und Entrechteten", "Kämpferin gegen soziale Armut und für Gleichberechtigung": Hildegard Burjan (1883-1933) war eine der großen Gestalten der christlichen Frauenbewegung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Am 29. Jännerwurde sie - als weltweit erste Parlamentariern – von der katholischen Kirche seliggesprochen.
Die aus einer jüdischen Familie stammende Görlitzerin gründete als Ehefrau und Mutter die Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis". Die Organisation mit Stammsitz in Wien unterhält Pflegeheime sowie ein Hospiz und ist in der Ausbildung für Sozialberufe engagiert. 1909 trat Burjan zum Katholizismus über. Nach ihrer Übersiedlung nach Wien gründete sie 1912 den "Verband christlicher Heimarbeiterinnen" und 1919 "Caritas Socialis". Im gleichen Jahr zog sie als erste weibliche Abgeordnete der Christlichsozialen Partei in den österreichischen Nationalrat ein. Ihr besonderer Einsatz galt der Gleichberechtigung der Frau in der Arbeitswelt.
Die Seligsprechungsfeier im Stephansdom war die erste Seligsprechung überhaupt in der jahrhundertelangen Geschichte des Wiener Wahrzeichens. Höhepunkt der Feier ist die Verlesung des päpstlichen Seligsprechungsdekretes durch den Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen, Kardinal Angelo Amato. Im Anschluss wurde ein großes Porträt der neuen Seligen hochgezogen und eine einfach gehaltene Glasstele mit der Reliquie Hildegard Burjans in einer Prozession zum Altar gebracht und davor abgestellt. Neben einem Knochensplitter der Seligen enthält das Reliquiar auch ihren Ehering sowie eine Caritas-Socialis-Brosche, die bei der Öffnung ihres Sarges 2005 gefunden wurde.
Kardinal Christoph Schönborn hielt bei der Messe, an der alle österreichischen Bischöfe sowie zahlreiche politische Vertreter teilnahmen, die Festpredigt. Der Festgottesdienst wurde von ORF III und ORF Wien Regional sowie von Radio Stephansdom live übertragen.













