Metropolit Kyrill von Smolensk setzte sich in Stichwahl klar durch. Er folgt damit dem im Dezember 2008 verstorbenen Alexij II.
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"Ich nehme aus Ihren Händen diese Gnade Gottes an; ich bitte, meine menschlichen Schwächen zu verzeihen; ich bitte Sie um Ihre Hilfe beim Dienst für Gott. Beten Sie um Gottes Hilfe." Mit diesen Worten an die rund 700 wahlberechtigten Mitglieder des russischen Landeskonzils nahm der neue russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill das Ergebnis seiner raschen und eindeutigen Wahl zum Nachfolger des im Dezember verstorbenen Patriarchen Aleksij II. am Dienstag, 27. Jänner, an.
"Weltbürger" mit Weitblick
Bislang wirkte Kyrill als Metropolit von Smolensk und insbesondere in der Funktion des Leiters des Außenamtes des Moskauer Patriarchats. Als solcher habe er stets über den russischen Tellerrand geblickt und sei durch seine zahlreichen Reisen im wahrsten Sinne des Wortes "Weltbürger" geworden, sagte etwa der Wiener Ostkirchenexperte Prof. Rudolf Prokschi in einer ersten Reaktion. Es sei zu erwarten, dass Kyrill seine guten Kontakte und Beziehungen auch in seinem neuen Amt produktiv nutzen werde.
Auch Kardinal Christoph Schönborn verbindet mit der Wahl Kyrills die Hoffnung, dass er "die Linie der ökumenischen Offenheit weiter verfolgt", die er bereits als Leiter des Außenamtes gezeigt habe.
Auch sonst wurde die Wahl des neuen Patriarchen allenorts begrüßt. Er werde den Weg einer kritischen Kontinuität zu seinem Vorgänger wählen, zeigen sich die meisten Beobachter einig: Kontinuität in seinem Bemühen um Einigung der Orthodoxie - insbesondere an den aktuellen Brandherden in der Ukraine und im Verhältnis zum Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel - kritische Fortführung aber auch im Blick auf das in jüngster Zeit dank Kyrill erneut in Gang gekommene katholisch-orthodoxe Gespräch.
Staat-Kirche-Verhältnis
Kritisch nicht zuletzt auch im Blick auf die Nähe von Staat und Kirche in Russland. So sagt man dem neuen Patriarchen zwar - wie auch Aleksij II. zuvor - nach, er gehe im Kreml ein und aus; zugleich legte Kyrill jedoch bereits bei seiner Eröffnungsrede zum Wahlkonzil den Finger in die Wunde des Staat-Kirche-Verhältnisses. Beide sollten sich aus dem Geschäft des jeweils anderen heraushalten, zugleich aber dränge die Kirche etwa in Fragen des Religionsunterrichts und der Restitution von Vermögen und Immobilien auf klare gesetzliche Lösungen.
Der zukünftige Aktionsradius des neuen russisch-orthodoxen Kirchenoberhaupts ist gewaltig: So zählt die russisch-orthodoxe Kirche weltweit 150-170 Millionen Mitglieder. In der Russischen Föderation, in der Ukraine, in Weißrussland und in Moldawien ist die russisch-orthodoxe Kirche jeweils die größte Konfession. Aber auch in der Kasachischen Republik, in Estland, Lettland und Kirgisien hat das Moskauer Patriarchat starke Positionen. Die Zahl der Pfarrgemeinden und Klöster der russisch-orthodoxen Kirche stieg nach dem Ende des kirchenfeindlichen kommunistischen Regimes stark an, hat aber noch nicht den Stand von 1914 erreicht.
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Kardinal Christoph Schönborn zur Wahl des neuen russischen Patriarchen
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Prof. Rudolf Prokschi zur Wahl des neuen russischen Patriarchen
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