Rund um die Aufhebung der Exkommunikation der lefebvrianischen Bischöfe der Pius-Bruderschaft durch Papst Benedikt XVI. ist ein Streit um die Frage ausgebrochen, wie weit der Wille nach Einheit der Kirche reichen darf.
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Mit einem am 24. Januar veröffentlichten Schreiben hat Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation von vier "lefebvrianischen" Bischöfen aufgeboben, die 1988 von Erzbischof Marcel Lefebvre illegal geweiht worden waren. Der Schritt des Papstes sollte zugleich eine Handreichung zur Wiederversöhnung mit rund 500 Priestern und weltweit rund 450.000 Anhängern Lefebvres sein - er wurde jedoch zum Eklat.
Die breite Front der Proteste gegen diesen päpstlichen Schritt artikuliert dabei vornehmlich zwei Kritikpunkte: Zum einen wird befürchtet, dass das einseitige Versöhnungsangebot an die betroffenen Bischöfe und die Priesterbruderschaft Pius X. zugleich eine Zurücknahme des Zweiten Vatikanischen Konzils bedeutet. Die "Lefebvrianer" lehnen wichtige Weichenstellungen des Konzils wie etwa die Religionsfreiheit und die Öffnung der Kirche zur Welt bis heute ab.
Selbst Beteuerungen aus dem Vatikan, dass die Rehabilitierung nur auf der Basis einer vollen Anerkennung des Konzils erfolgen könne, konnten die Kritiker bislang nicht überzeugen.
Der zweite Kritikpunkt betrifft die Aufhebung der Exkommunikation des lefebvrianischen Bischofs Richard Williamson. Williamson hatte in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehsender SVT bestritten, dass die Nationalsozialisten sechs Millionen jüdische Menschen ermordet haben. "Ich denke, dass 200.000 bis 300.000 Juden in NS-Konzentrationslagern starben, aber keiner von ihnen in Gaskammern", sagte Williamson in dem Interview, das in Bayern aufgezeichnet wurde. Dabei berief sich Williamson auf eine Zentralgestalt der Holocaust-Leugner, den Nordamerikaner Fred Leuchter. Seither läuft in Deutschland ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung. Kritiker auch aus kirchlichen Reihen werfen nun dem Vatikan vor, sich in dieser "Causa" nicht ausreichend genug informiert zu haben.
Sichtlich bewegt von den Turbulenzen hat Papst Benedikt XVI. am 28. Januar die Generalaudienz zu einer knappen Richtigstellung genutzt. So wies er jeden Verdacht energisch zurück, dass die Kirche selbst den Holocaust leugne oder von ihrem unter Johannes Paul II. eingeschlagenen Kurs der jüdisch-christlichen Aussöhnung abrücke.
Papst Benedikt XVI. hatte seit seinem Amtsantritt bereits mehrere Versuche unternommen, die Abspaltung der Lefebvrianer zu überwinden. Als Entgegenkommen für die minoritäre Gruppe wurde u.a. die breitere Wiederzulassung der Liturgie nach dem "alten Usus" von 1962 im Sommer 2007 gewertet. Auch dieser löste insbesondere im Blick auf die neu formulierte "Karfreitagsfürbitte" bis heute anhaltende Protestwellen aus.







