Für ihn selbst sei weniger die Öffnung der Mauer als vielmehr der 9. Oktober 1989 mit der Montagsdemonstration von 70.000 Leipzigern das Kerndatum, das zum Ende des SED-Regimes geführt habe, betonte Führer, der eine der Symbolfiguren der friedlichen Revolution in der DDR ist. An diesem Tag habe sich entschieden, dass es keine "chinesische Lösung" geben werde, erklärte Führer in Anspielung auf das Massaker an Demonstranten auf dem Pekinger "Platz des Himmlischen Friedens" wenige Monate zuvor. Die befürchtete bewaffnete Eskalation sei ausgeblieben und die Menschen hätten weiter friedlich demonstrieren können. Dafür sei er nach wie vor sehr dankbar, so Führer.
SED vertrieb Christen nachhaltig aus Kirchen
Die Rolle der evangelischen Kirchen als entscheidende Zentren der friedlichen Revolution hat am Freitag auch der frühere ZDF-Korrespondent in der DDR, Joachim Jauer, gewürdigt. Sie seien die einzigen nicht staatlich kontrollierten Räume gewesen, wo offene Diskussionen möglich gewesen seien, sagte Jauer in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin.
Jauer urteilte, es hätte nie Montagsdemonstrationen in Leipzig gegeben, wenn nicht zuvor jahrelang Montagsgebete wie in der Leipziger Nikolaikirche existiert hätten. Zugleich betonte der Osteuropa-Experte, den damaligen Strom der Menschen in die Kirchen dürfe man nicht mit Kirchennähe verwechseln. Die Leute seien nicht zum Beten, sondern zum Diskutieren gekommen. Die Menschen in der DDR seien von dem dort geltenden Grundsatz geprägt gewesen, "wer öffentlich Karriere machen wollte, durfte mit Kirche nichts zu tun haben".
Nach Ansicht des Journalisten hat die SED die Christen in Ostdeutschland nachhaltig aus den Kirchen vertrieben. Auch 20 Jahre nach der Wende sei der Gottesdienstbesuch immer noch sehr gering, sagte Jauer.
In dem Interview erinnerte Jauer auch an Papst Johannes Paul II. und den russischen Präsidenten Michail Gorbatschow als zentrale Figuren der "Wende". Das Zusammentreffen der beiden im Dezember 1989, als Gorbatschow als erster Generalsekretär der KPdSU vom Papst in Audienz empfangen wurde, sei eine historische Sternstunde gewesen. Ohne diese beiden Männer und ihre Sympathie füreinander wäre die friedliche Revolution undenkbar gewesen. "Der polnische Papst hat mit der Solidarnosc die Wende in Osteuropa angestoßen und Gorbatschow hat sie zugelassen", so Jauer.






