Preßburg: Erzbischof Zvolensky feierte Festgottesdienst mit europäischen Kolping-Vertetern im Martinsdom
Preßburg, 4.10.09 (KAP) Die Probleme beim Aufbau der Zivilgesellschaft in den ehemals kommunistischen Ländern Ost- und Mitteleuropas haben mit den Nachwirkungen des versuchten Aufbaus "einer gottlosen Gesellschaft" im Kommunismus zu tun. Darauf hat der Erzbischof von Bratislava, Stanislav Zvolensky, bei einem Festgottesdienst mit hunderten Delegierten des Kolpingwerks aus ganz Europa am Sonntag im Preßburger Martinsdom hingewiesen. "Der Kommunismus wollte die Kirche vom Erdboden fegen und Gott aus den Herzen der Menschen verdrängen", erinnerte Zvolensky.
Auch zwei Jahrzehnte nach der "samtenen Revolution" hätten die Katholiken in der Slowakei in Erinnerung, wie statt der Taufe in einer staatlichen Zeremonie neue "Bürgerchen" begrüßt wurden und an Stelle der Erstkommunion "Pionier-Gelöbnisse" abgelegt werden mussten. "Mit einem politischen Messianismus ohne Gott wollten die Kommunisten das Himmelreich durch das irdische Paradies der Volksdemokratie ersetzen", sagte der Erzbischof.
Der Kommunismus habe die Freiheit der Menschen begrenzt und ihre Vernunft manipuliert. Gott sei durch die Partei verdrängt worden, so Zvolensky: "Die Parteileute haben sich allein zum Vortrupp erklärt, damit sie alles regieren und steuern konnten - auch das Bewusstsein und Gewissen des einzelnen".
Strukturen, Parolen, der Stil der politischen Eliten und auch der Zugang zu Informationen hätten sich nach 1989 äußerlich sehr schnell verändert, sagte der Erzbischof: "In der Mentalität der Menschen ging das nicht so schnell". Mehrere Generationen seien vom KP-Regime langfristig indoktriniert und zu "Menschen einer neuen Art" umgeformt worden.
Wirkliche Freiheit könne nicht existieren ohne Verantwortung, moralische Wurzeln und Demut vor Gott und den Menschen, zitierte Zvolensky aus einer Predigt, die der damalige Kardinal Joseph Ratzinger 1992 im Dom von Preßburg gehalten hatte. Ohne diese Voraussetzungen "kann sich die Freiheit gegen den Menschen, seine Würde und sein Lebensrecht von der natürlichen Empfängnis bis zum Tod wenden", betonte der Erzbischof.
Zvolensky rief die Katholiken dazu auf, die neu gewonnene Freiheit zu nutzen, und aus christlicher Verantwortung aktiv Mitverantwortung für die Gestaltung Europas zu übernehmen. "Unsere Zukunft ist Jesus Christus", sagte der Bischof. Während des Kommunismus hätten Gläubige "heroisch" unter dem Druck des repressiven Regimes ausgehalten. Umso mehr sollten die Gläubigen heute, in einer pluralistischen Umgebung, "standhafte Zeugen für Gott" sein.






