Drei Wochen debattierte die Kirche über Afrika. Der Papst hat jetzt die Aufgabe, die Beratungen und Ideen der Bischöfe aufzugreifen und ein nachsynodales Schreiben zu verfassen
(Radio Vatikan) Mit der Übergabe von 57 Vorschlägen an Papst Benedikt XVI. sind die Arbeiten der Sondersynode für Afrika im Vatikan an diesem Samstag zu Ende gegangen. Veröffentlicht wurde eine nicht offizielle, provisorische Fassung in Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Der Papst hat jetzt die Aufgabe, die Beratungen und Ideen der Bischöfe aufzugreifen und ein nachsynodales Schreiben zu verfassen. Seit dem 4. Oktober debattierten rund 400 Bischöfe, Ordensleute und Laien über „Die Kirche in Afrika im Dienst von Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden“. Birgit Pottler fasst die so genannten Propositiones der Bischöfe zusammen:
Nein zu Todesstrafe und Abtreibung
Afrikas Oberhirten stellen klare Forderungen und sagen Nein zur Todesstrafe, Nein zu Waffenhandel und Ausbeutung durch multinationale Konzerne, Nein zu diskriminierenden Einwanderungsbestimmungen, die Flüchtlinge als Kriminelle abstempeln, Nein zur Genitalverstümmelung bei Mädchen, Nein zu Abtreibung auch nach Vergewaltigung (und damit auch zum so genannten Maputo-Protokoll der Afrikanischen Union aus dem Jahr 2003); ja folglich zur Menschenwürde und zu deren Schutz.
„Neues Pfingsten“
Dieses zweite Bischofstreffen für Afrika sollte ethische Maßstäbe für das Wirken der Kirche auf dem Kontinent setzen, sagte Kardinal Peter Turkson am Mittag vor Journalisten. Wir hatten zahlreiche Diskussionen, so der Generalrelator, eine Art „Controller“ oder Sonderberichterstatter der Synode. Alle Bischöfe, Experten und Hörer konnten ihre Erfahrungen und Wünsche in Aula und Kleingruppen einbringen. Die Sonderversammlung für Afrika sei ein Beispiel „kirchlicher Gemeinschaft und kollegialer Verantwortung“. Andere kirchliche Einrichtungen und Ämter sollten sich inspirieren lassen, heißt es in Punkt zwei der Propositiones. Die Synodenväter selbst verstehen ihre Versammlung als „Neues Pfingsten“ und animieren zu mehr Zusammenarbeit in der Heimat, zu kontinentalen Priester-, Laien- und Frauenräten.
„Dienst an den Armen“
Die Kirche solle sich „in den Dienst der Armen, der Waisen und der Ausgeschlossenen stellen“. Die Bedürftigsten seien die, die zu wenig Aufmerksamkeit bekämen, so der Kardinal aus Ghana: die Frauen in Afrika, die jungen Leute und die Kinder – nicht selten missbraucht als billige Arbeitskräfte oder traumatisiert als Kindersoldaten, die Inhaftierten, die Drogenabhängigen und die Opfer zahlreicher Auseinandersetzungen.
Frieden und Versöhnung fördern – auf allen Ebenen
Die Synode wende sich an alle Mitglieder der Kirche in Afrika, die 57 Punkte mit abschließendem Mariengebet greifen viele der in den vergangenen drei Wochen genannten Themen wieder auf. Gottesdienste, Erziehung und Projekte sollten Frieden, Versöhnung und – noch einmal der Verweis auf den Grund für die politischen Neins – die Menschenrechte fördern. Nicht zuletzt die katholische Soziallehre sollte Einzug in die Katechese halten. Da Religion politisch instrumentalisiert werde, brauche es auf allen Ebenen einen interreligiösen Dialog mit dem Islam und Afrikas traditionellen Religionen. Auch dazu fehlt es nicht an ganz konkreten pastoralen Vorschlägen.
Aidsforschung ausbauen
Mehrere Synodenmitglieder hatten vor einer einseitigen Berichterstattung gewarnt, die den Fokus allein auf die Immunschwächekrankheit Aids richte. Die Synodenväter widmen Propositio 51 der Pandemie, die „zusammen mit Malaria und Tuberkulose die afrikanische Bevölkerung dezimiert und ihrem wirtschaftlichen und sozialen Leben schadet“. Zum Gebrauch von Kondomen äußern sich die Bischöfe hier nicht, verurteilen aber entschieden jeden Versuch, den Virus frei zu verbreiten: „sei es als Kriegswaffe oder mit dem persönlichen Lebensstil“. Aids rufe nach Gerechtigkeit: Infizierte in Afrika müssten die gleiche Qualität an Medikamenten erhalten wie in Europa. Die Kirche fordert den Ausbau der Aidsforschung; Infizierten und ihren Angehörigen bietet sie ihrerseits Zugang zu Medikamenten und Lebensmitteln und verspricht den Einsatz gegen Diskriminierung. Die Bischöfe appellieren an internationale Organismen und erneuern ihre Selbstverpflichtung
Gegen Afropessimismus
Im „verwundeten Afrika“ könne und müsse die Kirche Werte vorleben und so Einfluss auf die Politik nehmen. Der Erzbischof von Luanda, Damiao Franklin, brachte als Sondersekretär sowohl in der Synodenaula als auch in der abschließenden Pressekonferenz die Erfahrungen aus dem bürgerkrieggeplagten Angola ein. Verletzungen der Menschenrechte, Korruption und Straffreiheit nach Staatsstreichen und Kriegen existierten noch immer in vielen Ländern, unterstreichen die Bischöfe in ihrem Schlussdokument einmal mehr „voll Traurigkeit“. Demokratische Prinzipien würden mit den Wurzeln ausgerissen, schreiben sie; für Despoten bleibe ihrerseits bloße Verachtung. Das Abwandern Afrikas Elite schade dem Land, die entwickelten Länder sollten Afrika helfen, auch dieses Problem anzugehen. Angolas Erzbischof deckt diese Wunden nicht zu, und doch: einem, wie er sagt, „Afropessimismus“ dürfe nicht statt gegeben werden.






