Kardinal Schönborn zog Bilanz der 1. Wiener Diözesanversammlung im Rahmen des Vorgangs "Apostelgeschichte 2010" - Festlicher Sendungsgottesdienst zum Abschluss der Diözesanversammlung Wien, 24.10.09 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn plädiert dafür, die Bedeutung der Pfarrgemeinden weltweit stärker in den Blick zu nehmen. Bei der 1. Wiener Diözesanversammlung im Rahmen des Vorgangs "Apostelgeschichte 2010" seien zahlreiche Sorgen und Anliegen im Blick auf die Pfarrgemeinden zum Ausdruck gebracht worden, hielt der Kardinal am Samstagvormittag vor den Delegierten im Wiener Stephansdom fest. Er werde verstärkt mit Bischöfen der Weltkirche das Gespräch über diese Themen und den Austausch über die Anliegen und Erfahrungen der Pfarrgemeinden suchen. In Richtung der Delegierten sagte Schönborn: "Ich kann nicht Reformen versprechen, die viele sich wünschen, die aber nicht in meiner Hand liegen". Es sei aber ein berechtigter Wunsch, "dass es über diese Anliegen einen verstärkten Austausch gibt". Bei der Diözesanversammlung waren im Blick auf die Zukunft der Pfarren die Zugangsbedingungen zum Priestertum, die Frage der "viri probati" (der Priesterweihe für bewährte verheiratete Männer) oder der neuen Leitungsmodelle für Pfarrgemeinden mehrfach thematisiert worden. In seiner ersten Bilanz der Delegiertenversammlung sagte Schönborn, er nehme es für sich als Auftrag mit, noch bewusster auf das zu schauen, was in der Kirche "Schmerz oder Leidensdruck" verursache, aber auch auf das, was an Neuem wachse. Die Versammlung habe deutlich gemacht, "wie viel in unserer Diözese von so vielen getragen und gelebt wird". Bewusstes Augenmerk sollten die Gläubigen in der Erzdiözese Wien auf die Sorge um die wachsende Zahl an Notleidenden legen, betonte der Kardinal und dankte für alles, was schon jetzt an vielfältiger karitativer Hilfe durch die Pfarren geleistet wird. Als besonderes Anliegen nannte der Wiener Erzbischof, dass die Gotteshäuser "offengehalten werden" und die Pfarren gastfreundlich sind. Menschen, die neu in eine Pfarre kommen oder sich für die Kirche interessieren, dürften nicht das Gefühl haben, "allein zu bleiben". Jede Pfarre sollte daher eine Art "Welcome-Service" haben. Die Versammlung habe ihm auch gezeigt, dass es notwendig ist, "bewusster von Angesicht zu Angesicht über den Glauben zu sprechen", auch mit den Menschen in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Und er wolle Jugendliche "noch mehr und direkter darauf ansprechen, ob sie nicht einen geistlichen Beruf ergreifen wollen", so Schönborn. Erneut stellte der Kardinal klar, dass es in der Erzdiözese Wien keine Auflösung von Pfarren und keine Schließung von Kirchen geben wird. Es werde aber überlegt, Gotteshäuser anderssprachigen katholischen Gemeinden oder auch orthodoxen Gemeinden zu überlassen oder sie mit ihnen zu teilen. "Es geht nicht um schließen, sondern um teilen", hob der Wiener Erzbischof hervor. Generell plädierte Schönborn dafür, die anderssprachigen Katholiken im Bereich der Erzdiözese stärker in den Blick zu nehmen. Unter ihnen fänden sich viele Jugendliche, die bereits in Österreich geboren und aufgewachsen sind und auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen. "Sie sind unsere Mitkatholiken", dennoch seien sie noch zu wenig im Bewusstsein der Kirche von Wien verankert, stellte der Kardinal fest. "Atmosphäre des Aufeinanderhörens" Der Wiener Erzbischof dankte den Delegierten für die "Atmosphäre der Geschwisterlichkeit und des Aufeinanderhörens", die die Versammlung geprägt habe. Auf diese Weise sei in Offenheit ein gemeinsamer Weg in die Zukunft möglich. Ausdrücklich dankte Schönborn auch den Kirchenbeitragszahlern, die vieles, was die Kirche tut, durch ihre Beitragsleistung ermöglichen. Die drei territorialen Bischofsvikare der Erzdiözese Wien - Prälat Karl Rühringer, P. Amadeus Hörschläger und Prälat Matthias Roch - kündigten an, den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen den Pfarren ausbauen zu wollen. Das Bemühen um Offenheit und Gastfreundschaft müsse verstärkt werden. Auch gelte es, die Freude des Glaubens besser zu zeigen. "Wir verkünden die Frohe Botschaft und nicht das Kirchenrecht", betonte P. Hörschläger. In den Wortmeldungen einzelner Delegierter fanden sich u.a. Forderungen nach gezielteren Angeboten für Jugendliche, nach stärkerem Zugehen auf Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, nach mehr Engagement für das Gespräch mit Ausgetretenen sowie nach Einbeziehung von Flüchtlingen und Migranten. Den Abschluss der ersten der insgesamt drei vorgesehenen Diözesanversammlungen bildete ein festlicher Sendungsgottesdienst im Stephansdom. P. Johannes Lechner betonte in seiner Predigt, nicht Konflikte zwischen "Konservativen" und "Liberalen" seien das Problem in der Kirche. Zum einen seien "liberal" und "konservativ" keine biblischen Kategorien. "Liberale" wollten, "dass etwas weitergeht", und "Konservative" wollten das Wertvolle aus der Tradition bewahren. Probleme verursachten jene, die "aggressiv" auftreten, und jene, die sich nur "lau" und halbherzig für ihren Glauben einsetzen. Am Ende des Gottesdienstes überreichte Kardinal Schönborn drei modern gestaltete gläserne Monstranzen an die drei Bischofsvikare. Die Monstranzen werden durch die Pfarrgemeinden "pilgern". Gestaltet wurden die Monstranzen vom niederösterreichischen Künstler Heinz Ebner, der auch schon für jene Monstranz verantwortlich zeichnete, die am ersten Tag des Papstbesuchs 2007 bei der Eucharistischen Anbetung in der Kirche am Hof zum Einsatz gekommen war. Von Ebner stammten auch Kelch und Patenen, die am Samstag beim Sendungsgottesdienst von Kardinal Schönborn verwendet wurden. Die Bibel, mit der Kardinal Schönborn zur Eröffnung der Diözesanversammlung am Donnerstagnachmittag in den Stephansdom eingezogen war, ist von einem gläsernen Einband umhüllt, der ebenfalls von Ebner gestaltet wurde. "Fantasieschmiede" für die Kirche Die Diözesanversammlung war von drei "Prozessbeobachtern" begleitet worden. Der Schweizer Pastoraltheologe Leo Karrer würdigte in seiner Bilanz die Versammlung als "Fantasieschmiede für die Kirche". Nach der "Begeisterung", die eine solche Versammlung vermittle, gehe es nun um Bewährung "im Tal der Realität". Es brauche eine "Spiritualität des langen Atems". Die Versammlung habe gezeigt, dass "die Kirche vielen am Herzen liegt, manches aber auch auf den Magen drückt". Die Gläubigen sollten sich aber bewusst sein, dass die Kirche als weltweite Glaubens- und Solidargemeinschaft einzigartig sei, "es gibt nichts Vergleichbares", so Karrer. Ausdrücklich empfahl Karrer das mit "Apostelgeschichte 2010" entwickelte Wiener Modell zur Beachtung in der Weltkirche. Barbara Heyse-Schaefer, Direktorin der Evangelischen Frauenarbeit, würdigte das "offene Klima" des Delegiertentreffens und die starke Einbeziehung von Frauen und Frauenthemen. Für die kommenden zwei Versammlungen bleibe der Auftrag, gemeinsame Lösungen zu finden und sie gemeinsam umzusetzen. Auch sollte der Dialog mit der Gesellschaft und mit Andersdenkenden noch stärker einbezogen werden. Sie erhoffe zudem weitere Schritte im ökumenischen Miteinander der Kirchen, das in der gemeinsamen Taufe seine Grundlage habe. Der Münsteraner Priester Martin Sinnhuber erinnerte an die starken geistlichen Momente der dreitägigen Veranstaltung in und um den Stephansdom, besonders an den "Abend der Hoffnung und der Barmherzigkeit" am Freitagabend. Im Bild der Menschen, die am Freitagabend im Dom nach vorn strömten, als das eucharistische Brot in der Monstranz verehrt wurde, sei sichtbar geworden, dass die Kirche Kraft erhält, wenn sie Christus bewusst in die Mitte stellt. "Missionswoche" im Mai 2010 Die nächsten Schritte des Vorgangs "Apostelgeschichte 2010" sind ab Jänner Vorbereitungstreffen in den drei Vikariaten zur "Missionswoche", die am Pfingstmontag, 24. Mai 2010, beginnen wird. Jede Pfarre, jede Gemeinschaft und jede kirchliche Einrichtung ist eingeladen, in dieser Woche ein selbst entwickeltes Missionsprojekt zu verwirklichen. Die zweite Diözesanversammlung von 11. bis 13. März 2010 wird sich auf die Frage konzentrieren, was Mission heute bedeutet und wie sie gelingen kann. Die dritte Diözesanversammlung ist für 14. bis 16. Oktober 2010 geplant.
"Anliegen der Pfarrgemeinden weltweit stärker in den Blick nehmen"






