Im Vorfeld der zweiten Wiener Diözesanversammlung zum Prozess "Apostelgeschichte 2010" erläutern Hochschulseelsorger Schüller und der Wiener Pastoralamtsleiter Michael Scharf ihre Erwartungen
Wien (KAP) Nähe zum Menschen und zu dessen Alltag, mit einem Wort: "Weggefährtenschaft" - das ist nach den Worten des Wiener Hochschulsseelsorgers Msgr. Helmut Schüller ein wesentliches Bild für eine zukunftsfähige Kirche. Dieses Bild müsse sich auch in einem "seelsorgerischen Nachgehen", d.h. in einer kleinräumig strukturierten Seelsorge konkretisieren, so Schüller in einem Beitrag in der Wochenzeitung "Die Furche" (4. März). "Wir brauchen nicht weniger Gemeinden am Ort, sondern mehr - viel mehr", betont Schüller im Blick auf Tendenzen zur Schaffung größerer Seelsorgeräume.
Schüller äußerte sich in der "Furche" im Blick auf die zweite Wiener Diözesanversammlung im Rahmen der Missionsinitiative "Apostelgeschichte 2010" vom 11. bis 13. März. Der Hochschulseelsorger und Pfarrer von Probstdorf wird am 11. März um 19.30 Uhr eine Diskussionsrunde im Stephansdom unter dem Titel "Reizwort Mission" moderieren.
Laut Schüller bedürfe es neben dem Bekenntnis zu einer neuen kirchlichen Nähe zu den Menschen zwei weiterer Positionierungen, um die Kirche auf einen zukunftsfähigen Kurs zu führen: Zum einen müsse das Evangelium erneut als Kraft begriffen werden, die "frei macht, von allem, was sich so über die Zeit hin darauf und darum herum gelegt hat an Entschärfungen". Es gelte, den Kern der Botschaft neu zu entdecken: Der Mensch soll sich von Gott "getragen und gehalten wissen".
Weiters bedürfe es einer Wiederentdeckung der "Charismen der Getauften": Diese seien in einer "immer stärker kleriker- und pfarrerzentrierten Entwicklung von Kirche" oftmals verschüttet worden, so Schüller. Der "Weltverstand" und die Lebenserfahrung engagierter Laien gelte es auch für die Kirche neu wertschätzen zu lernen - und diesen Menschen zugleich auch mehr Kompetenzen und Verantwortung in der Gemeindeleitung zukommen zu lassen.
Wenn konsequent das wichtige Stichwort des Zweiten Vatikanischen Konzils - "Communio" - ins Zentrum der Pastoral gestellt werde, verschiebe sich auch die Frage nach dem Umgang mit dem Priestermangel. Die Frage laute dann vielmehr, wie viele Gemeinden benötigt werden, "um unseren Auftrag zur Evangeliumsverkündigung und Nähe so gut wie möglich zu erfüllen".
Eine Diözesanversammlung allein werde gewiss nicht ausreichen, um diese "heißen Eisen" - kirchliche Strukturen überdenken, Laienengagement einbinden etc. - erschöpfend zu diskutieren, "vom Wiener Stephansdom aus lässt sich aber ein Signal setzen, das sicher nicht ohne Echo aus der weltweiten Kirche bleiben würde", so Schüller.
"APG 2010" will "Andockstellen" bieten
Mit hohen Erwartungen geht auch der Pastoralamtsleiter der Erzdiözese Wien, Michael Scharf, in die zweite Wiener Diözesanversammlung. Im Mittelpunkt der Versammlung, zu der rund 1.500 Delegierte erwartet werden, stehe die Frage, wie man kirchliche "Andockstellen" für Nah- wie vor allem auch Fernstehende schafft, so Scharf im Interview mit der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag".
Es gelte neu auszuloten, wo die Grenzen von Kirche und christlicher Gemeinde verlaufen, ohne die Bandbreite gelebten Glaubens zu beschneiden: "Wir haben als Kirche die Aufgabe und die Pflicht, viele Andockmöglichkeiten für Menschen zu finden, sie einzuladen, mit uns in Berührung zu kommen" - auf dieses Ziel sei der gesamte Prozess "Apostelgeschichte 2010" ausgerichtet.
Bei der Diözesanversammlung gehe es auch um die Frage, welche Haltung - etwa im konkreten Gespräch über Gott und die Welt - man einnehmen müsse, um missionarisch glaubhaft zu sein: "Die Grundfrage ist: Wie gehe ich in ein missionarisches Gespräch, so dass es freundlich, sympathisch, werbend, beim Anderen ankommen kann", so Scharf. Den Begriff der Mission gelte es daher immer wieder neu zu bedenken und mit Leben zu füllen: "Mission ist schlicht das Erzählen von der Hoffnung, die uns erfüllt."






