Wiener Pastoraltheologin Polak wertete Protokolle der Arbeitskreise der ersten Diözesanversammlung im Oktober aus - "Es braucht einen geistlich fundierten Erneuerungsprozess"
Wien, 10.03.2010 (KAP) Den Appell, die "Sorgen der Gläubigen ernst zu nehmen", formuliert die Wiener Pastoraltheologin Prof. Regina Polak im Vorfeld der am Donnerstag, 11. März, beginnenden zweiten Wiener Diözesanversammlung. In einer detaillierten Analyse der Arbeitskreis-Protokolle der ersten Diözesanversammlung vom Oktober des Vorjahres, die der "Kathpress" vorliegt, zeigte Polak die große Sensibilität, mit der die Gläubigen auf Veränderungen und Krisen in der Kirche reagieren. Dabei leiden die Gläubigen insbesondere an bestehenden "Kommunikationsstörungen in der Kirche und zwischen Kirche und Gesellschaft", aber auch am "Bedeutungsverlust, am Mitgliederschwund, an der Sprache der Kirche, an Zeitmangel".
Auf der anderen Seite unterstreicht die Pastoraltheologin das große Engagement und die Bereitschaft, sich für die Kirche einzusetzen, das aus den Protokollen der Arbeitsgruppen spreche: "Sie sind mutig und benennen die strukturellen Schwierigkeiten der Kirche, die daran hindern, die gegenwärtigen Aufgaben zu bestehen. Allem voran aber lieben sie ihre Kirche, erfahren sie als Heimat und möchten sie in eine gute Zukunft führen". Dabei herrsche jedoch mitunter "große Ratlosigkeit, wie das gehen kann", so Polak.
Kritisch anzumerken sei indes eine allzu starke "Konzentration auf binnenkirchliche Fragestellungen", aus der nicht zuletzt auch eine lähmende "Trauer" spreche, "dass es nicht mehr so ist, wie es einmal war". Notwendig sei zum einen eine "Blickweitung aller Beteiligten", so Polak, es müsse aber auch ein Bewusstsein der eigenen Stärken herausgebildet werden. Die Kirche tue gut daran, diesen Gefühlen der Trauer, der Ohnmacht und der Überforderung einen Raum in der Kirche zu geben, da nur so der Schritt in die Zukunft positiv gelingen könne. Dazu brauche es eines "geistlich fundierten Erneuerungsprozesses".
Die Analyse umfasst insgesamt sieben Arbeitskreise, die sich im Rahmen der ersten Wiener Diözesanversammlung mit den Bereichen "Liturgie", "Zeugnis geben", "Glaubenswissen", "Diakonie", "Gemeinde", "Gesellschaft" und "Familien- und Lebensformen" befassten.
Stark sei der Drang zu Veränderungen und zugleich die Angst vor Aufbrüchen in eine ungewisse Zukunft etwa im Arbeitskreis "Gemeinde" zum Ausdruck gekommen. Als am stäksten drängende Probleme wurden etwa Zeitdruck, Einschränkung durch kirchliche Rahmenbedingungen und die bestehenden Nachwuchsprobleme in den Pfarrgemeinden thematisiert. Die Gemeinden stellen laut Polak dennoch weiterhin "lokale Netzwerke und Basisstationen" eines gelebten Glaubens dar. Als Anliegen ging aus dem Protokollen jedoch der Wunsch nach Strukturreformen hervor. Die Menschen fühlten sich "von der Kirchenleitung im Stich gelassen, in einer schwierigen Situation noch dazu". Auch werde "mangelnder Mut der Hirten" beklagt".
Auch im Arbeitskreis "Zeugnis geben" wurden laut Polak deutlich Missstände angesprochen, so etwa das Gefühl des "Alleinseins in der Gesellschaft", Probleme mit der kirchlichen Sprache, aber auch eine zu geringe Bildung in Glaubensfragen, die gerade dann zu einem akuten "Argumentationsnotstand" führe, wenn es darum gehe, das persönliche Lebenszeugnis durch Argumente glaubhaft zu stützen. "Bekenntnisse ohne Begründung bleiben Behauptungen. (...) Das Zeugnis braucht auch gute und vernünftige Gründe", bringt Polak dies auf den Punkt. Insgesamt werde das "Zeuge-Sein" von den Gläubigen als "stärkste missionarische Kraft wahrgenommen", so Polak.
Die zweite Wiener Diözesanversammlung vom 11. bis 13. März stellt die Fortsetzung der großen Dialog- und Missionsinitiative "Apostelgeschichte 2010" der Erzdiözese Wien dar. Rund 1.500 Delegierte werden im Stephansdom darüber beraten, was Christen dazu motiviert oder daran hindert, missionarisch zu wirken. Die Beschäftigung mit der Frage "Wie verkündigen wir?" soll zugleich Vorbereitung auf eine große "Missionswoche" in der Erzdiözese vom 24. bis 30. Mai sein. Weitere Informationen im Internet: www.apg2010.at






