(KAP) Den Umgang der Politik mit der steigenden Armut in Österreich hat der Wiener Caritasdirektor Msgr. Michael Landau anlässlich der Transferkonto-Enquete im Parlament kritisiert. Der Druck auf die Menschen am Rande der Gesellschaft sei nachweislich weiter gestiegen. Dies sollte Anlass für eine "Gerechtigkeitsdebatte statt einer Neiddebatte" sein, die "unter dem Vorwand eines Transferkontos angezettelt wurde", kritisierte Landau: "Man gewinnt den Eindruck, als gehe es den verantwortlichen Politikern mehr um Machterhalt als um die konkrete Not der Menschen."
Transparenz dürfe nicht immer nur den Schwächsten abverlangt werden. Eine Debatte um Verteilungsgerechtigkeit und um Missbrauch sei "an beiden Enden der Gesellschaft" zu führen. "Notwendig ist daher ein Transparenzkonto statt eines Transferkontos", so Landau. Dieses müsse etwa auch Subventionen und Steuerermäßigungen für Firmen oder Erträge aus Vermögen mit einbeziehen.
Sozial Schwache brauchen nach den Worten des Wiener Caritasdirektors eine "faire soziale Absicherung jenseits einer Sozialschmarotzer-Debatte". Die schuldlosen Opfer der Wirtschaftskrise dürften "nicht ein zweites Mal zu Opfern gemacht werden, indem das Budget auf ihrem Rücken saniert wird".
Landau erinnerte daran, dass das Jahr 2010 von der EU als Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung ausgerufen wurde. Dieser in Österreich bisher vernachlässigte Bereich müsse in Österreich und Europa einen deutlich höheren Stellenwert erhalten. Armut dürfe nicht als Tatsache hingenommen werden, appellierte Landau abschließend.






