Unter dem Motto "Armut - hinschauen, aufzeigen und helfen!" analysieren Fachleute Armut in Europa und in Österreich - Jedes fünfte Kind von Armut bedroht - Caritas zeigt auf, wo sie gegensteuert
Wien (KAP) "Armut - hinschauen, aufzeigen und helfen!": Unter diesem Motto erfolgte am Donnerstag der Österreich-Auftakt zum Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung. Im Sozialministerium analysierten Fachleute - darunter Vertreter von Caritas und Diakonie - in einer Medienkonferenz Aspekte des Themas auf europäischer und österreichischer Ebene. Sozialminister Rudolf Hundstorfer nannte es nicht hinnehmbar, dass nach wie vor sehr viele Menschen in Armut leben müssen. In Österreich gelte es viele Anstrengungen zu unternehmen, um das "Gespenst" Armut zurückzudrängen. Eckpfeiler dabei seien eine möglichst effektive Arbeitsmarktpolitik und spezielle Hilfen "für jene, die es nicht alleine schaffen".
Wo es in Europa besondere Problemzonen beim Thema Armut gibt, und wie die Caritas hierbei gegenzusteuern versucht, zeigte Ilse Simma, Leiterin der Abteilung für Grundlagen und Sozialpolitik in der Caritas Österreich, auf: Die "Gesichter der Armut in den ärmsten Ländern Europas" gehörten vielfach Kindern, alten Menschen, Migranten und Angehörigen der Roma. Jedes fünfte europäische Kind sei von Armut bedroht oder akut betroffen. Am schlimmsten sei die Situation in Rumänien (33 Prozent Betroffene) und Italien (25 Prozent), hier zu Lande liege dieser Wert bei 15 Prozent, sagte Simma. Kinder mit vielen Geschwistern oder mit nur einem Elternteil seien besonders gefährdet. Die Caritas versuche mit Waisenhäusern und Straßenkinderzentren den Weg in ein besseres Leben zu ebnen.
Alten, nur mehr eingeschränkt flexiblen und gerade in Osteuropa mit unzureichender Pension bedachten Menschen biete die Caritas in mehreren Ländern Suppenküchen, Hauskrankenpflege oder Heimhilfe - Leistungen, die oft überlebenswichtig seien und den betroffenen zudem zeigten, "dass sie nicht vergessen sind".
In Österreich am meisten von Armut betroffen sind laut Simma Menschen mit Migrationshintergrund; ihre Integration fördere die Caritas mit Sprachunterricht und Nachhilfe. Bildung und Qualifikation steht auch im Mittelpunkt des Caritas-Engagements für die europaweit diskriminierte ethnische Gruppe der Roma. Sie bilden mit rund elf Millionen Angehörigen die größte ethnische Minderheit Europas.
Auch die Folgen der im November 2009 gegenüber dem Vorjahr von 7,5 auf 9,5 Prozent gestiegenen Arbeitslosenquote in Europa versuche die Caritas zu lindern: In Österreich z.B. mit 37 Projekten, die 480 Langzeitarbeitslosen Beschäftigung verschaffen.
Mehr als eine Million armutsgefährdet
Statistisches Datenmaterial zur Armut in Österreich legte Ursula Till-Tentschert von der "Statistik Austria" vor: 12,4 Prozent der Bevölkerung - das sind mehr als eine Million Menschen - sind armutsgefährdet, verfügen also nur über maximal 60 Prozent des (bedarfsgewichteten) Durchschnittseinkommens. Das entspricht 951 Euro pro Monat für einen Einpersonenhaushalt. Rund die Hälfte dieser Armutsgefährdeten lebte laut "Statistik Austria" 2008 in manifester Armut (das sind um 100.000 mehr als 2007), kann sich also Miete und Heizen nicht leisten, muss auf den Kauf neuer Kleidung verzichten oder kommt bei unerwarteten Reparaturen ins Schleudern.
Küberl ist "Armuts-Botschafter"
25 prominente österreichische Persönlichkeiten haben zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit die Funktion als "Botschafterin/Botschafter des Europäischen Jahres" übernommen. Mit dabei ist auch Caritas-Präsident Franz Küberl. Er zeigte sich in einem Statement für die Webseite www.2010gegenarmut.at überzeugt, dass politisch Verantwortliche, aber auch Zivilgesellschaft und jeder einzelne etwas gegen die Not tun können: "Jeder Mensch, der in Armut leben muss, ist einer zu viel." Weitere "Botschafter" sind u.a. Diakonie-Direktor Michael Chalupka, Bundespräsidentengattin Margit Fischer, ORF-Moderatorin Barbara Stöckl und Tischtennis-As Werner Schlager.
Die offizielle nationale Eröffnungsveranstaltung zum Europäischen Jahr findet am 22. Februar 2010 in Salzburg statt, weiters sind regionale Konferenzen in der Steiermark, in Oberösterreich und Tirol sowie eine Schlussveranstaltung im November in Wien geplant. (Informationen: www.2010gegenarmut.at)






