Traditionelle Weihnachtsbotschaft und Segen "Urbi et Orbi" - Benedikt XVI. gedachte leidgeprüfter Bevölkerung Haitis und mahnte Friedensperspektiven für Afrika ein - Weihnachtswünsche in 65 Sprachen
Vatikanstadt (KAP) Papst Benedikt XVI. hat am Christtag zu Frieden, Gerechtigkeit und Achtung der Religionsfreiheit in aller Welt aufgerufen. In seiner traditionellen Weihnachtsbotschaft forderte er zur Suche nach einem gerechten und friedlichen Zusammenleben von Israelis und Palästinensern auf. Er mahnte zum Gebet für die leidgeprüften christlichen Gemeinden im Irak und im ganzen Nahen Osten. Mit deutlichen Worten beklagte er die Einschränkung von Religions- und Gewissensfreiheit für die Kirche in China und sprach den Gläubigen Geduld und Mut zu.
Nach seiner in alle Welt über Radio, Fernsehen und Internet übermittelte Weihnachtsbotschaft spendete Benedikt XVI. seinen Segen "Urbi et orbi". Zuvor sprach er Weihnachtswünsche in 65 Sprachen. Auf Deutsch sagte er: "Die Geburt Jesu Christi, des Erlösers der Menschen, erfülle Euer Leben mit tiefer Freude und reicher Gnade; sein Friede möge in Euren Herzen wohnen. Gesegnete und frohe Weihnachten!"
In seiner Weihnachtsbotschaft gedachte der Papst der von Erdbeben und danach von einer Choleraepidemie heimgesuchten Bevölkerung Haitis. "Ebenso sollen diejenigen nicht vergessen werden, die in Kolumbien und Venezuela, aber auch in Guatemala und Costa Rica vor kurzem Naturkatastrophen erleiden mussten", sagte Benedikt XVI."
Weiters mahnte er Friedensperspektiven für Afrika ein: "Die Geburt des Erlösers eröffne den Menschen in Somalia, Darfur und in der Elfenbeinküste Perspektiven eines beständigen Friedens und eines echten Fortschritts; sie fördere die politische und soziale Stabilität in Madagaskar." Zugleich bat der Papst um "Sicherheit und Achtung der Menschenrechte in Afghanistan und Pakistan". Schließlich forderte er einen Dialog zwischen Nicaragua und Costa Rica sowie eine Versöhnung auf der Halbinsel Korea.
An die Adresse Chinas sagte der Papst: "Die Feier der Geburt des Erlösers stärke die Gläubigen der Kirche in Kontinental-China im Geist des Glaubens, der Geduld und des Mutes, dass sie wegen der Einschränkungen ihrer Religions- und Gewissensfreiheit nicht verzagen, sondern in der Treue zu Christus und seiner Kirche ausharren und die Flamme der Hoffnung am Leben erhalten." Er bat um Beharrlichkeit "aller christlichen Gemeinden, die Diskriminierung und Verfolgung erleiden". An die politischen und religiösen Führungskräfte appellierte er, sich für die "volle Achtung der Religionsfreiheit aller einzusetzen".
Vor mehreren Zehntausend Gläubigen auf dem Petersplatz unterstrich Benedikt XVI. zunächst die eigentliche Bedeutung der Weihnachtsbotschaft. Mit der Geburt in Bethlehem sei Gott Mensch geworden: "Gott ist nicht fern: Er ist nahe." Das Licht dieser Wahrheit zeige sich dem, der es mit Glauben aufnimmt, da es ein Geheimnis der Liebe sei. "Nur wer sich der Liebe öffnet, wird vom Licht der Weihnacht umfangen." Die Menschwerdung des Sohnes Gottes sei ein Ereignis, dass in der Geschichte geschehen sei, aber zugleich über diese hinausreiche.
Einsatz für das Gemeinwohl
Die Christen hätten die Aufgabe, für das Gemeinwohl zu arbeiten, sagte der Papst in seiner Weihnachtsbotschaft. Die Nachricht von Weihnachten sei Licht für den gemeinsamen Weg der Menschheit. Sie müsse ein Ansporn sein "im selbstlosen Dienst am Nächsten, im friedlichen Kampf für die Gerechtigkeit zusammenzuarbeiten". Gott sei der Grund zur Hoffnung für all jene, "deren Würde beleidigt oder verletzt wurde, da er, der zu Bethlehem geboren wurde, gekommen ist, den Menschen von der Wurzel jeder Knechtschaft zu befreien".
Live-Stream im Internet
Aufgrund er neuen technischen Übertragungswege war die Ablass-Formel diesmal verändert, die Kurienkardinal Agostino Cacciavilla unmittelbar vor dem Segen "Urbi et orbi" sprach. Er kündigte an, dass mit dem feierlichen päpstlichen Weihnachtssegen ein vollkommener Ablass - also der Nachlass zeitlicher Sündenstrafen - verbunden sei. Dies gelte für die Gläubigen auf dem Petersplatz sowie für all diejenigen, die den Segen über Hörfunk und Fernsehen empfangen - oder über die neuen Kommunikationswege, fügte er hinzu.
Das Angebot des Vatikan, über Live-Stream die Weihnachtszeremonien des Papstes im Internet abrufen zu können, war diesmal deutlich verstärkt worden. Erstmals war der Stream während der Christmette am Freitagabend mit einem Kommentar auf Chinesisch und zum Segen "Urbi et orbi" auf Arabisch unterlegt.






