Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für neuere österreichische Geistesgeschichte in "Wiener Zeitung": Artikel von Kardinal Schönborn in "New York Times" kam zur rechten Zeit
9.12.05 (KAP-ID) Scharfe Kritik an jenen wissenschaftlichen Bestrebungen, die auch die "letzten Fragen" des Menschen mit eigenen Mitteln zu lösen versuchen, hat der Philosoph Norbert Leser geübt. In einem Beitrag für die "Wiener Zeitung" (2. Dezember) geißelte Leser vor allem den aktuellen Biologismus, der theologische und philosophische Fragen aus der Welt des Geistes verbannen wolle. Leser: "Die philosophische Frage, ob alle Qualitätsunterschiede, die sich in der Welt vorfinden, auf Quantitäten, die an einem bestimmten Punkt in neue Qualitäten umschlagen, zurückzuführen sind, kann nicht durch die Wissenschaft allein, geschweige denn durch eine Einzelwissenschaft wie die Biologie beantwortet werden."
Deshalb sei es höchst an der Zeit gewesen, dass Kardinal Christoph Schönborn in seinen Ausführungen in der "New York Times" klarstellte dass die Evolutionstheorie zwar innerhalb ihrer Grenzen akzeptabel sei, aber dort zur Ideologie werde, wo sie diese Grenzen überschreitet. Wie der Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für neuere österreichische Geistesgeschichte betonte, sei Schönborn absichtlich oder unabsichtlich missverstanden worden. Wörtlich schrieb er: "Die Evolution und die Evolutionstheorie werden zu einer Plage, wenn sie vorgeben, mit ihren Erkenntnissen das definitiv letzte Wort gesprochen zu haben."
Auch nach erschöpfender Rekonstruktion der Evolution bleibe die Frage offen, "ob das, was sich in der Evolution entfaltet, bereits vorgegeben, keimhaft angelegt und durch einen Schöpfungsakt in die Entwicklung hineinprojiziert ist." Obwohl in dieser Frage keine Beweise im strengen Sinn des Wortes zu führen seien, würden doch die überwiegenden Plausibilitätsargumente für den Präformationismus sprechen, der von der Vorgegebenheit des jeweils Seienden ausgeht.
Lesers warnt nochmals eindringlich vor den Kurzschlüssen von Szientismus und Materialismus und schließt mit dem Resümee, dass alle Reisen in die Welt des Geistes zwar nicht immer direkt nach Rom aber doch - wenn auch meist auf Umwegen - in die Sphäre Gottes führten.






