Wien, 15.2.10 (KAP) Ausgeprägter als in der römisch-katholischen Kirche wird in der orthodoxen Kirche gefastet. Während die Katholiken noch den Faschingsausklang feiern, bevor sie ihre 40-tägige Fastenzeit mit dem Aschermittwoch beginnen, fängt für orthodoxe Christen schon mit dem Montag nach dem Faschingssonntag, dem sogenannten "Reinen Montag", die Fastenzeit an. Dieser Tag ist gemeinsam mit dem Karfreitag der wichtigste Fasttag des Jahres. Auf die ersten 40 Tage des "Großen Fastens" folgen der Lazarus-Samstag, der Palmsonntag und die Karwoche. Heuer feiern westliche und östliche Kirchen Ostern zum selben Datum. Während des Fastens dürfen in der orthodoxen Kirche keine tierischen Erzeugnisse gegessen werden. Dazu zählen neben Fleisch auch Milchprodukte, Eier und Fisch. Am "Reinen Montag" und am Karfreitag sollen die Gläubigen überhaupt aufs Essen verzichten. Weitere bedeutende Fastenzeiten in der orthodoxen Kirche gibt es vor Weihnachten - vergleichbar dem Advent, allerdings mit 40 Tagen deutlich länger - sowie vor dem Fest Maria Entschlafung (katholisch: Maria Himmelfahrt) am 15. August. Die Gläubigen bereiten sich darauf mit einem zweiwöchigen Fasten vor. Außerdem sind mit wenigen Ausnahmen auch jeder Mittwoch und Freitag Fasttage in der orthodoxen Kirche. Der Mittwoch erinnert an den Verrat Jesu durch Judas, der Freitag an den Kreuzestod Jesu. Luther: Individuelles Trainingsprogramm Die reformatorische Tradition legt wenig Wert auf verbindliche Fastenzeiten wie in der römisch-katholischen und orthodoxen Kirche. Allgemeingültige Fastengebote gibt es für den evangelischen Christen nicht; er soll selbst entscheiden, worauf er eine Zeit lang verzichten möchte. Martin Luther verstand das Fasten als eine individuelle Frömmigkeitsübung, die nicht allen Gläubigen gleichermaßen empfohlen oder gar verordnet werden könne. Dementsprechend sprach er sich auch gegen eine verbindliche Fastenzeit aus. Ein strikter Fasttag ist für viele evangelische Christen aber auf jeden Fall der Karfreitag. Viele Gläubige - nicht nur der evangelischen Kirche - haben in den vergangenen Jahren aber die Fastenzeit neu entdeckt. Ein Beispiel dafür ist die Aktion "Sieben Wochen ohne", in der geistliche Betrachtungen mit dem Verzicht auf bestimmte Speisen oder andere liebgewonnene Gewohnheiten verbunden werden (www.7wochenohne.evangelisch.de). An dieser ursprünglich aus Deutschland stammenden Initiative beteiligen sich inzwischen auch sehr viele evangelische Gläubige in Österreich.
Fastenzeit in orthodoxer und evangelischer Kirche






