Wien-Rom (KAP) Zu Besonnenheit im Umgang mit neuen Forschungshypothesen über das Alter und die Herkunft des "Turiner Grabtuchs" ruft der Präsident der für das Grabtuch zuständigen Turiner Diözesan-Kommission, Prof. Msgr. Giuseppe Ghiberti, auf. In einem Interview in der aktuellen Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag" äußert sich Ghiberti zurückhaltend über die Forschungen einer Historikerin des Vatikanischen Geheimarchivs sowie eines französischen Wissenschaftlers, wonach sich auf demGrabtuch aramäische Schriftzeichen aus der Zeit vor dem Jahr 70 befänden und dadurch die Echtheit der "Santa Sindone" bewiesen sei. Er stehe dieser Hypothese "sehr skeptisch" gegenüber, stellt Ghiberti im "Sonntag"-Gespräch fest. Generell stünden alle Hypothesen, die Inschriften auf dem Grabtuch ausmachen wollten, auf schwachen Beinen, so der Grabtuch-Experte. Das Alter des Grabtuchs wie auch die Art der Entstehung des Abbilds des Gekreuzigten seien bisher einfach nicht zweifelsfrei festgestellt worden. Nichtsdestotrotz sei das Grabtuch für ihn persönlich überzeugend, betont Prof. Ghiberti. Das Grabtuchstelle einen Spiegel der Texte aus dem Evangelium über den Tod Jesu dar. "Es ist beeindruckend, wie sogar Einzelheiten der Passion Jesu mit den Details auf dem Tuch übereinstimmen. Das ist so stark, dass ich den Eindruck habe: Es ist höchstwahrscheinlich, dass eine ganz direkte Beziehung zwischen dem Tod Jesu, seinem Begräbnis und diesem Tuch besteht". Die in Turin aufbewahrte "Santa Sindone", die von vielen Gläubigen als das Leichentuch Jesu verehrt wird, soll nach restaurativen Eingriffen erstmals wieder im kommenden Jahr vom 10. April bis zum 23. Mai öffentlich gezeigt werden. Zu diesem Anlass wird auch ein Besuch von Papst Benedikt XVI. in Turin erwartet. Das 4,36 Meter lange und 1,10 Meter breite Leinen zeigt den Abdruck eines Gekreuzigten, der der biblischen Beschreibung der Passion Christi entspricht. Um die historische Echtheit gibt es seit Jahrzehnten Auseinandersetzungen.
Präsident der Turiner Diözesan-Kommission für das Grabtuch, Prof. Ghiberti, steht neuen Forschungshypothesen über aramäische Schriftzeichen auf dem Tuch skeptisch gegenüber
Turiner Grabtuch: Kirchlicher Experte mahnt zu Besonnenheit






