Benedikt XVI. möchte mit seiner Wallfahrt keinen Spekulationen über die Echtheit der geheimnisvollen Ikone auf Muschelseide Vorschub leisten - "Kathpress"-Korrespondentenbericht von Johannes Schidelko
Rom (KAP) Noch vor 15 Jahren kannte kaum jemand den abgelegenen Gebirgsort Manoppello in den Abruzzen. Seit jedoch Forscher und Buchautoren die dortige Ikone vom "Antlitz Jesu" näher untersuchten und als eine Sensation enthüllten, wurde der Ort auch außerhalb Mittelitaliens ein Begriff. Bei der Ikone handle es sich um eine "Reliquie der Auferstehung", ja um das wahre Abbild Jesu selbst, so die Meinung mancher Experten. Am Freitagmorgen, eine Woche vor seinem Besuch in Bayern, fährt nun auch Benedikt XVI. in das Heiligtum.
Der Kunsthistoriker und Gregoriana-Professor Heinrich Pfeiffer war der erste Wissenschaftler, der das 17 mal 24 Zentimeter große hauchdünne Tuch als jenes in der Bibel erwähnte Schweißtuch identifizierte, das dem toten Jesus auf das Gesicht gelegt worden sei. Ein solches Bild wurde Jahrhunderte lang im römischen Petersdom aufbewahrt; im Mittelalter galt es als eine der wichtigsten Reliquien. Es soll über Edessa (heute: Urfa) nach Konstantinopel und schon vor dem Jahr 708 - frühere Forschungen gingen vom Vierten Kreuzzug 1204 aus - nach Rom gekommen sein. Von da, so die Rekonstruktion, sei es vor 500 Jahren im Baustellen-Chaos rund um den neuen Petersdom verschwunden und irgendwie in das Abruzzenstädtchen gekommen. Dort wird es seither aufbewahrt. Heute befindet es sich in einem Glasbehälter hinter dem Altar der Klosterkirche.
Allerdings streiten die Experten darüber, ob es sich bei dem Muschelseidentuch von Manoppello tatsächlich um das Original der "vera icon" (dem wahren Bild) aus dem Petersdom handelt oder um eine Kopie. Denn auch im Vatikan befindet sich heute noch ein "Veronica"-Tuch, das ein Mal im Jahr während der Fastenzeit bei einer kurzen Zeremonie gezeigt wird. Aber während das römische Tuch nahezu verblasst ist, sind auf dem in den Abruzzen deutliche Konturen zu erkennen. Dieser Augenschein war für die Forscher Anlass, das "Volto di Gesu" (Antlitz Jesu) von Manoppello für das Original zu halten und in Rom eine Kopie zu vermuten.
So spannend die Enthüllungs-Geschichte auch klingt: Benedikt XVI. wird sich bei seiner Pilgerfahrt kaum in den Streit einmischen. Der Papst-Besuch sei kein "Authentizitäts-Zertifikat" für Manoppello, heißt es im Vatikan. Benedikt XVI. unternehme eine Wallfahrt, so wie er bereits viele mittelitalienische Heiligtümer besucht habe, zuletzt die von Mentorella oder von Nemi. Er komme anlässlich der 500-Jahr-Feiern des Wallfahrtszentrums, um der langen Tradition der Verehrung und der Volksfrömmigkeit seine Reverenz zu erweisen.
Benedikt XVI. besuche die Stätte auf Einladung von Erzbischof Bruno Forte, eines renommierten Theologen, den er seit vielen Jahre aus der Internationalen Theologen-Kommission kenne, so betont man im Vatikan. Bei der Pilgerreise wolle er jenseits jedes Echtheitsstreits beten und über die Passion und Auferstehung Christi meditieren.
In diesem Sinne hatte sich auch bereits Erzbischof Forte geäußert. Einige Experten würden meinen, das Antlitz von Manoppello sei das Tuch, das sich früher im Petersdom befand, sagte er bei der Eröffnung der 500-Jahr-Feiern Ende 2005: "Wenn das auch nicht auszuschließen ist, wenn das sogar wahrscheinlich sein kann: Wichtig ist, dass wir als Pilger an diese Stätte kommen, um vor allem unsere Liebe zu dem zu bekunden, der die Offenbarung der ewigen Liebe ist". Es gehe darum, so Forte, sein von Schmerz und vom Sieg gezeichnetes Antlitz zu betrachten, "das das Zeichen für den Glauben ist".
Fast genauso klang es 1998, als Papst Johannes Paul II. das Turiner Grabtuch besichtigte, das viele Gemeinsamkeiten mit dem "Antlitz Jesu" von Manoppello aufweist. Auch Benedikt XVI. dürfte nun deutlich machen, wie sehr Reliquien und Ikonen die Frömmigkeit und den Glauben begleiten und fördern können - nicht mehr und nicht weniger.






