Grabtuch-Experte Ghiberti: Es gilt weiterhin die Mahnung Johannes Pauls II., "der Wissenschaft zu überlassen, was der Wissenschaft gebührt"
Vatikanstadt, 09.04.2010 (KAP) Gegenüber dem Turiner Grabtuch nimmt die Kirche nach Worten des Vorsitzenden der zuständigen Diözesankommission, Giuseppe Ghiberti, eine "sehr vorsichtige" Haltung ein. Auf der einen Seite sei Verehrung des legendären Leinens durch kirchliche Autoritäten umfassend gebilligt, sagte der Grabtuch-Experte und Bibelwissenschaftler am Donnerstagabend in "Radio Vatikan". Andererseits gelte weiterhin die Mahnung von Johannes Paul II., "der Wissenschaft zu überlassen, was der Wissenschaft gebührt". Ghiberti verwies dabei auf "die zwei berühmten Fragen" der Grabtuchforschung: die genaue Altersbestimmung und die Weise des Zustandekommens des "völlig geheimnisvollen und bis jetzt unnachahmbaren Bildes" auf dem Leinen. Innerhalb einer autonomen religiösen Betrachtung stehe vor jeder wissenschaftlichen Erklärung fest, dass die Kreuzigungswunden des Mannes auf dem Grabtuch mit den Passionsberichten der Bibel übereinstimmten. Zugleich sei ein solcher vorwissenschaftlicher Zugang nicht notwendigerweise antiwissenschaftlich; von der Forschung erwarte man sich eine Erhellung, die augenblicklich noch nicht vollständig sei, so Ghiberti. Das Leinentuch, das von Gläubigen als Grabtuch Jesu verehrt wird, ist erstmals nach zehn Jahren von Samstag an wieder öffentlich zu sehen. Zu der bis zum 23. Mai dauernden Ausstellung im Turiner Dom haben sich bereits rund 1,4 Millionen Besucher angemeldet. Am 2. Mai wird auch Papst Benedikt XVI. in der norditalienischen Industriestadt erwartet.






