Wien (KAP) "Wir erleben derzeit in Haiti die komplexeste Hilfsaktion in der Geschichte unserer Hilfseinsätze". So lautete der Tenor einer ersten Bilanz-Pressekonferenz zur Haiti-Hilfsaktion von "Nachbar in Not" am Freitag in Wien. Obwohl das Erdbeben die letzten Reste der bereits zuvor maroden Infrastruktur der Insel zerstört hat, komme die Hilfe an: "Trotz aller logistischer Probleme vor Ort können wir sagen: Unsere Hilfe kommt an", so Caritas-Auslandshilfechef und "Nachbar in Not"-Vorstand Christoph Petrik-Schweifer. Gemeinsam habe man bereits innerhalb der ersten Tage mehreren 10.000 Menschen mit Nahrungsmitteln, Wasser, Hygiene-Paketen und Zelten helfen können. "Überwältigt" zeigten sich die insgesamt acht Hilfsorganisationen (Caritas, Rotes Kreuz, Hilfswerk, Volkshilfe, Diakonie, Malteser Hospitaldienst, Arbeiter-Samariter-Bund und Care), die unter dem Dach von "Nachbar in Not" zusammengekommen sind, von der Hilfsbereitschaft der Österreicher: Innerhalb von knapp einer Woche nach Start der Spendensammelaktion konnten bereits rund 4,4 Millionen Euro an Spenden für die Soforthilfe gesammelt werden. Wie Petrik-Schweifer weiter ausführte, liege der Fokus derzeit weiterhin auf der Soforthilfe. Rund 50.000 Menschen konnten schon durch das Caritas-Netzwerk erreicht und versorgt werden. Es brauche jedoch auch einen "Masterplan für den Wiederaufbau". Angesichts der mangelhaften Administration auf Haiti könne ein solcher Masterplan nicht von der Regierung selbst erstellt werden, hier seien UN und EU gleichermaßen gefordert. "Haiti hatte bereits eine Katastrophe vor der Katastrophe. Zwei Drittel der Menschen verfügten schon vor dem Beben über keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und mussten mit täglich zwei Dollar auskommen", so Petrik-Schweifer. "Wir werden einen langen Atem brauchen". Probleme bereite derzeit noch die Sicherheitslage. Daher sei die angekündigte Aufstockung der UN-Blauhelme um weitere 2.000 Soldaten und 1.500 Polizisten zu begrüßen, so der Auslandshilfe-Chef. Für die insgesamt rund 500 Caritas-Mitarbeiter und -Helfer vor Ort bedeute die Sicherheitslage eine große Herausforderung. Hilfseinsätze selbst in entlegeneren Gebieten müssten aus Sicherheitsgründen nach Möglichkeit bei Tageslicht absolviert werden, da mit der Dunkelheit auch die Gefahr von Überfällen rapide ansteige. "Humanitäre Visitenkarte Österreichs" Der Kommunikationschef des Roten Kreuzes und "Nachbar in Not"-Vorstandsmitglied Michael Opriesnig betonte, dass "Nachbar in Not" zu einer "humanitären Visitenkarte Österreichs" geworden sei. Auch für das Rote Kreuz gelte, dass der Einsatz in Haiti "der größte Einsatz in der 150-jährigen Geschichte des Roten Kreuzes" sei. Entgegen anderslautender Medienberichte unterstrich auch Opriesnig, dass die Hilfe bei den Menschen ankomme. So sei beispielsweise gestern ein Flugzeug mit sechs Rot-Kreuz-Mitarbeitern und rund 20 Tonnen Material, darunter Trinkwasser und eine "Hygieneeinheit", im Krisengebiet gelandet. Trotz der Überlastungssituation am Flughafen von Port-au-Prince wurde der Flug aufgrund der dringend benötigten Hygienepakete bevorzugt behandelt, so Opriesnig. Die Leiterin der Diakonie Auslands- und Katastrophenhilfe, Dagmar Lassmann, betonte beim Pressegespräch die Bedeutung einer gut vernetzten Hilfe. Die derzeit 26 in Haiti aktiven Diakonie-Mitarbeiter seien bereits seit Jahren vor Ort aktiv und kennen Land und Leute bestens. Durch ihre intensive Vernetzung mit anderen Organisationen vor Ort könne schnelle, unbürokratische und effektive Hilfe geleistet werden, so Lassmann. "Der eigentliche Wiederaufbau wird jedoch sicherlich Jahre beanspruchen", so Lassmann. Dieser könne freilich nicht von den Spendern allein getragen werden, sondern hier bedürfe es auch eines größeren finanziellen Engagements von Seiten des Staates, so Lassmann in Richtung der österreichischen Regierung. Am Dienstagabend ist ein gemeinsamer Hilfsflug von Caritas und Diakonie von Belgien aus nach Haiti gestartet. An Bord sind 20.000 Wasserkanister, 2.000 Decken, 31 Großraumzelte und Tabletten zur Wasserreinigung sowie acht "Health-Kits" für die medizinische Grundversorgung von 10.000 Menschen. Medienpartner der Aktion "Nachbar in Not" ist der ORF, der in zahlreichen Sendungen ausführlich über die Situation in Haiti berichtet. Unter dem Motto "Österreich hilft Haiti" hat der ORF den 25. Jänner als "Nachbar in Not"-Aktionstag ausgerufen. An diesem Tag wird der Sender sein Programm ganz in den Dienst der Spendenaktion stellen. Im Mittelpunkt steht dabei eine abendliche Benefizsendung auf ORF 2 live aus dem ORF-Zentrum, bei der Prominente telefonisch Spenden annehmen werden. Spenden sind möglich auf das "Nachbar in Not"-Spendenkonto PSK 90.150.500 (BLZ 60.000), Kennwort "Erdbeben Haiti", oder online unter http://nachbarinnot.orf.at






