Frankfurt, 13.04.2010 (KAP) Der Apostolische Administrator von Port-au-Prince, Joseph Lafontant, sieht im Wiederaufbau Haitis eine Chance für das Land. "Wir sollten die Katastrophe für eine Erneuerung nutzen", sagte Lafontant dem Hilfswerk "Kirche in Not" am Dienstag in Königstein (Hessen). Voraussetzung sei, dass sich die Einstellung der Menschen wandle.
Trotz der sozialen Unterschiede sollten sich alle zunächst als Haitianer begreifen. "Diese Gelegenheit haben wir jetzt", so der Weihbischof. Werde sie nicht genutzt, müsse Haiti noch sehr lange an unüberwindbaren Problemen leiden.
Lafontant leitet derzeit die Erzdiözese Port-au-Prince, nachdem bei dem Erdbeben am 12. Jänner auch der 63-jährige Erzbischof Joseph Serge Miot ums Leben gekommen war. Beim Einsturz der erzbischöflichen Residenz kamen auch der Generalvikar und drei weitere Priester ums Leben. Insgesamt starben bei dem Beben 17 Seminaristen und 45 Ordensleute.
Man gehe inzwischen von bis zu 225.000 Toten und Vermissten aus, sagte Lafontat: "Immer noch entdecken die Hilfskräfte unter den Trümmern neue Leichen."
Obwohl viele Menschen traumatisiert seien, helfe ihnen der christliche Glaube dabei, die Folgen des Erdbebens zu verarbeiten. Viele wollten deshalb gleich nach dem Beben die zerstörten Kirchen provisorisch reparieren. "Ich kann das so genau berichten, weil wir Priester direkt nach dem Erdbeben immer unter den Menschen lebten. Keiner hatte mehr ein Zuhause, in das sie hätten zurückkehren können. Und doch suchten sich diese Menschen zuerst einen Ort, an dem sie Gott anrufen konnten noch bevor sie sich nach einem Platz zum Schlafen umsahen", so Lafontat.






