Vorsitzender der Bischofskonferenz bei Symposion der Katholischen Medienakademie (KMA): "Nein" zur aktiven Sterbehilfe in Verfassung verankern, Realisierung der "flankierenden Maßnahmen" zur Fristenregelung, klares Verbot embryonaler Stammzellforschung
Wien, 4.12.08 (KAP) Konkrete Wünsche der katholischen Kirche an die neue Bundesregierung hat Kardinal Christoph Schönborn am Mittwochabend in Wien bei der 30-Jahr-Feier der Katholischen Medienakademie (KMA) formuliert. So mahnte Kardinal Schönborn die Regierung, sich der Absicht anderer EU-Staaten anzuschließen, Flüchtlinge aus dem Irak aufzunehmen. Es sei "beschämend", so der Vorsitzende der Bischofskonferenz wörtlich, "dass sich Österreich bisher an der Aufnahme von christlichen Flüchtlingen (und Flüchtlingen aus anderen religiösen Minoritäten) nicht beteiligt hat".
Kardinal Schönborn erinnerte aber auch an die von Kardinal Franz König in einem Brief an den Verfassungskonvent formulierte Bitte, das österreichische "Nein" zur aktiven Sterbehilfe in den Rang eines Verfassungsgesetzes zu heben. Österreich dürfe den gewählten Weg nicht verlassen und müsse den Ausbau des Hospizwesens forcieren.
Weiters erinnerte der Vorsitzende der Bischofskonferenz die neue Bundesregierung an die bereits unter Bruno Kreisky 1974 versprochene Umsetzung der "flankierenden Maßnahmen" zur Fristenregelung. Konkret erneuerte Kardinal Schönborn in diesem Zusammenhang seine Forderung, die Regierung möge das Spendenaufkommen etwa für Diözesane Hilfsfonds für Schwangere in Not verdoppeln. In den 35 Jahren des Bestehens des unter Kardinal König begründeten Wiener Diözesanen Hilfsfonds seien mehr als 10.000 Babys gerettet worden.
Als Wunsch an die österreichische Politik formulierte Kardinal Schönborn auch die Bitte, weiterhin ein "klares Verbot für verbrauchende Embryonenforschung" aufrecht zu erhalten. Unter den europäischen Staaten sei Österreich "stets auf der Seite des Embryonenschutzes" gestanden, "dies sollte nicht preisgegeben werden", so der Kardinal. Zudem gebe es in der embryonalen Stammzellenforschung mangelnde Forschungserfolge. Bislang habe sich gezeigt, dass die ethisch unbedenkliche Forschung an adulten Stammzellen wesentlich ertragreicher sei.
Darüber hinaus sprach sich Kardinal Schönborn für eine Anerkennung des Risikos der Pflegebedürftigkeit als "Grundrisiko wie Krankheit oder Unfall" aus. Damit bekräftigte Kardinal Schönborn die von unterschiedlichen Hilfsorganisationen formulierte Forderung nach einer solidarischen gesamtgesellschaftlichen Absicherung der Pflege.
Auch mahnte Kardinal Schönborn die Einhaltung der von Österreich zugesagten Anhebung der Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit (EZA) von derzeit 0,49 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) auf 0,51 Prozent bis 2010 und 0,7 Prozent bis 2015 ein.
"Auf dem richtigen Weg"
Insgesamt bewertete Kardinal Schönborn das vorgelegte Regierungsprogramm der Koalitionsparteien positiv. "Auf dem richtigen Weg" sieht er die Regierung etwa bei der Frage der Bewertung behinderten Lebens. Es sei "lobenswert", dass die Regierung davon Abstand genommen habe, ein behindertes Kind als "Schadensfall" zu bezeichnen. Zweifellos bedürfe es deutlicherer Grenzen bei der Pränataldiagnostik (PND) und der Präimplantationsdiagnostik (PID). Aber die Zusage, dass das Kind "mit all seinen Eigenschaften" der Gesellschaft und der Rechtsordnung "in höchstem Maße willkommen" sei und dass es "gerade im Fall der Behinderung die größtmögliche Zuwendung und Förderung" verdiene, sei überaus begrüßenswert.
Lobend erwähnte Kardinal Schönborn auch die Zusage der Regierungskoalition, die Familien finanziell zu entlasten und stärker zu fördern. Konkret nannte er dabei die zugesagte Anhebung der Kinderabsetzbeträge sowie die steuerliche Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten. Dies seien "weitere Schritte in die richtige Richtung".
Es sei die Aufgabe der Kirche als "Freundin des Lebens", diese Ansätze zu würdigen und damit zugleich junge Menschen zu ermutigen, "ein deutliches 'Ja' zum Leben in all seinen Facetten zu sagen", so der Kardinal. In dieser "Ermutigung zum 'Ja zum Leben'" bestehe die "zentrale Aufgabe der Kirche in den kommenden Jahren".
"Wollte keine Vorgänger kritisieren"
Kardinal Schönborn sprach auch seine "Jerusalemer Predigt" an, in der er darauf hingewiesen hatte, dass Europa in den vergangenen 40 Jahren "mehrfach 'Nein zum Leben'" gesagt habe. Die Predigt war medial als Kritik Schönborns an der von den österreichischen Bischöfen im Anschluss an die Enzyklika "Humanae vitae" 1968 veröffentlichte "Mariatroster Erklärung" interpretiert worden.
Er stehe zu seiner Überzeugung, dass "Europa in den letzten 40 Jahren mehrfach 'Nein zum Leben' und damit Nein zur Zukunft gesagt hat", betonte Kardinal Schönborn in diesem Zusammenhang. Die demografische Entwicklung in Europa spreche eine deutliche Sprache und zeige, "dass wir uns dringend besinnen müssen". Zugleich betonte der Kardinal, dass es nicht seine Absicht gewesen sei, "mit der einen oder anderen Formulierung einen Amtsbruder oder Vorgänger im Bischofsamt zu kritisieren". Die Predigt müsse zudem im Kontext des Treffens von rund 170 europäischen Bischöfen in Jerusalem gesehen werden. Bei dem Treffen sei es um die Evangelisierung Europas und eine nüchterne Bilanz der gesellschaftlichen Herausforderungen gegangen. Die demografische Krise gehöre zu diesen Herausforderungen.
Wichtige Initiativen von Laien
Lobend erwähnte Kardinal Schönborn zwei von Laien getragene Aktionen, die am Mittwoch der Öffentlichkeit präsentiert worden waren. Dabei handelt es sich zum einen um eine österreichweite Plakataktion, mit der im Dezember auf den Kern der Weihnachtsbotschaft hingewiesen wird: "Zu Weihnachten wurde Jesus Christus geboren. Ein Fest der Freude für die Menschen". Zum anderen geht es um die auch von Kardinal Schönborn unterzeichnete "Petition zum Schutz des 8. Dezember". Die Petition setzt sich für den Erhalt des 8. Dezember als arbeitsfreier Feiertag und "gemeinsame Ruhezone" ein. Solche Initiativen seien wichtig, da in ihnen "Katholiken selbständig ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen", so Kardinal Schönborn.
Papstorden für Gerhard Weis
Bei der 30-Jahr-Feier wurde der journalistische Leiter der KMA (und frühere ORF-Generalintendant) Gerhard Weis mit dem Komturkreuz des päpstlichen Gregoriusordens ausgezeichnet. Die Überreichung nahm "Medien-Bischof" Egon Kapellari vor. Für Weis kam die Ehrung völlig überraschend. Er habe "nur seine Aufgaben erfüllt", sagte er sichtlich gerührt in seinen Dankesworten, die er mit den Worten beendete: "Also gut, dann nehme ich das als Ansporn, noch mehr zu tun".
Bischof Kapellari bezeichnete den Orden als sichtbares Zeichen der Dankbarkeit der Kirche für das Engagement von Weis. Wörtlich sagte Kapellari: "Ohne Sie hätte sich das Institut nicht erhoben aus seiner Depression".
Weis selbst hatte es in seiner Ansprache aus Anlass des 30-jährigen Bestehens der KMA als deren Ziel bezeichnet, Journalisten auszubilden, die ihr Handwerk hochprofessionell beherrschen und mit Ethos an die Arbeit herangehen. Journalisten hätten in Zeiten einer "Medienflut", in der die Menschen zunehmend "overnewsed, but underinformed" sind, große Verantwortung. In den vergangenen 30 Jahren sei es der KMA zunehmend gelungen, "der Kirche eine Stimme zu geben", so Weis.
Honorarfreie Pressefotos unter www.katholisch.at/pressefotos






