Wien-Islamabad, 20.08.2010 (KAP) Nicht nur hinsichtlich der schleppenden internationalen Hilfe für die Hochwasseropfer in Pakistan mehren sich kritische Stimmen, auch Österreichs bisheriger Beitrag stößt bei Hilfsorganisationen auf Unverständnis: Nachdem das Landwirtschaftsministerium für die Flut-Opfer 200.000 Euro zur Verfügung stellte, sprach Caritas-Auslandshilfechef Christoph Petrik-Schweifer am Freitag von einem "wichtigen ersten Schritt, aber eben nur einem ersten". Das "gewaltige" Ausmaß der Flutkatastrophe erfordere sowohl von der EU als auch den einzelnen Mitgliedsstaaten mehr Engagement. Als eine "Referenzgröße" nannte Petrik-Schweifer jene zwei Millionen Euro, die Österreich im Winter für die Erdbebenopfer in Haiti zur Verfügung stellte.
Die Caritas hat mittlerweile vom Innenministerium die Zusage über 100.000 Euro erhalten, die in die Anschaffung von Wassertanks und Hygienematerial investiert werden sollen.
Das Landwirtschaftsministerium stellte die 200.000 Euro für die Hochwasser-Opfer in Pakistan im Rahmen der Nahrungsmittel-Soforthilfe zur Verfügung. "Rund 20 Millionen Menschen sind von der Flut betroffen und haben großteils alles verloren. Jetzt geht es schlicht um Leben und Tod", kommentierte Minister Nikolaus Berlakovich die Summe. "Es ist unsere Pflicht, hier rasch und wirksam zu helfen."
Max Santner, Leiter der internationalen Hilfe des Roten Kreuzes (ÖRK), kritisierte die bisherigen staatlichen Hilfsmaßnahmen scharf. Die 200.000 Euro seien ein "Zeichen der Zersplitterung der Kompetenzen". Der Betrag sei "hoffentlich noch nicht alles, denn was bis jetzt gekommen ist, nämlich etwa 9.000 Euro an Sachspenden, war erbärmlich", so Santner. Es gebe zwar seit 2005 einen Auslandshilfekatastrophenfonds. "Der ist aber leider sehr träge, weil für ihn ein Ministerratsbeschluss notwendig ist."
Auch Andrea Wagner-Hager, Geschäftsführerin von Care Österreich, erwartet sich mehr Solidarität durch die öffentliche Hand: "200.000 Euro sind besser als gar nichts, können aber nur ein erster Schritt gewesen sein, auf den weitere folgen müssen." Sie verwies auf die Schweiz, die Niederlande und Schweden, die schon vor Tagen Beträge in Millionenhöhe zugesagt haben.
Die internationale Spendenbereitschaft ist nach zahlreichen verzweifelten Aufrufen gewachsen. Die Vereinten Nationen haben inzwischen fast die Hälfte der 459 Millionen Dollar beisammen, die für erste Hilfsmaßnahmen nötig seien. "Die Reaktion der Spender auf die Krise wird immer besser, aber sie ist immer noch nicht ausreichend", sagte UN-Sprecher Maurizio Giuliano.
Den Vereinten Nationen zufolge haben die USA bisher umgerechnet 75,3 Millionen Euro für die Katastrophenhilfe bereitgestellt, gefolgt von Großbritannien mit 31,8, Deutschland und Australien mit je 24,8 und der UNO selbst mit 21.






