Mehrere Medien beklagten Beschränkungen der Pressefreiheit während der Besuchstage von Benedikt XVI. in Jerusalem
Jerusalem, 15.5.09 (KAP) Die palästinensische Presse berichtete am Donnerstag ausführlich über den Besuch von Papst Benedikt XVI. in Bethlehem. Das Meinungsbild war überwiegend positiv: Die wichtigste Tageszeitung "El Quds" meinte, der Papst habe seine Positionen "klar und ehrlich" zum Ausdruck gebracht. Er habe das Ausmaß der "Leiden der palästinensischen Flüchtlinge ebenso gewürdigt wie die Zerstörungen und Leiden durch den Krieg in Gaza". Seine Hauptbotschaft sei "Liebe und Frieden". Kritik am Papstbesuch werde ausschließlich von "israelischer und islamistischer Seite" geübt.
Die Nachrichtenagentur "Ma'an" unterstrich, der Papst habe sich nicht vor politischen Äußerungen gescheut. Benedikt XVI. habe "ermutigende Worte" gefunden: Er habe seine tiefe Anteilnahme am Leiden der Palästinenser aufgrund der "seit Jahrzehnten andauernden Wirren in diesem Land" ausgedrückt und die Gründung eines "souveränen palästinensischen Staates in Sicherheit und Frieden mit seinen Nachbarn" gefordert.
Mehrere Medien beklagten Beschränkungen der Pressefreiheit während der Besuchstage von Benedikt XVI. in Jerusalem: So habe die Polizei am Montag ein alternatives palästinensisches Pressezentrum in Ostjerusalem geschlossen und palästinensischen Journalisten die Teilnahme am Papstbesuch im Felsendom verwehrt.
Knappe Berichte in Israels Medien
Die israelischen Medien berichteten nur knapp über den "palästinensischen Tag" von Papst Benedikt XVI. in Bethlehem. Das Massenblatt "Jediot Achronot" brachte lediglich ein kleines Schwarzweiß-Foto des Papstes mit einem israelischen Wachtturm an der Sperrmauer. In der Bildunterschrift das Zitat des Papstes: "Man kann Mauern umwerfen. Mauern werden leicht gebaut, aber sie stehen nicht ewig" und ein Hinweis auf seine politische Rede im Flüchtlingslager Aida.
Auch die linksliberale Zeitung "Ha'aretz" setzte ein Bild des Papstes mit der Sperrmauer auf die Titelseite. Der dazugehörige Artikel handelte allerdings von der Ankündigung der palästinensischen Autonomiebehörde, wonach schon in sieben Jahren zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer ebenso viele Araber wie Juden leben würden. Weiter registrierte die Zeitung "Zufriedenheit" bei den Teilnehmern an der Papstmesse in Bethlehem . "Extremistische islamistische Kreise" hätten dagegen "völliges Desinteresse" am Papstbesuch in Bethlehem signalisiert, heißt es.
Auch das israelische Fernsehen und der Rundfunk hatten am Mittwoch nur spärlich über die Papst-Visite in Bethlehem berichtet. Am Donnerstag jedoch wurden die Programme unterbrochen, um die Messe in Nazareth live zu übertragen.






