Jerusalem, 15.5.09 (KAP) Der melkitische (griechisch-katholische) Erzbischof von Akko, Elias Chacour, hat den Besuch Benedikts XVI. in Nazareth als große Ermutigung für die Christen in Galiläa gewertet. Die stete Abwanderung von Christen bereite der Kirche große Sorge. Die Menschen wollten Frieden und Sicherheit für alle. "Wir brauchen Ihr Gebet, aber auch Ihre moralische und spirituelle Unterstützung", hatte Chacour in seinem Willkommensgruß an Benedikt XVI. betont. Der Papst sei kraft seines Amtes ein "Fels und Angelpunkt" für die gesamte katholische Familie, das gelte besonders auch für die Gläubigen in Nazareth und ganz Galiläa. Als besonders erfreulich bezeichnete Chacour die Segnung des Grundsteins für die neue christliche "Papst Benedikt XVI.-Universität" in Nazareth.
Die Grundsteinsegnung durch den Papst erfolgte nach der Messfeier. Die neue Universität geht aus der bisherigen Mar-Elias-Hochschule in Ibillin hervor, die von Erzbischof Chacour gegründet und als Zweig der Universität von Indianapolis (USA) geführt wurde. Ende März hat die israelische Regierung die Hochschule anerkannt und ihr Universitätsrang verliehen. Sie wird die erste christliche Universität in Israel sein. Chacour dankte in seiner Rede zu Beginn des Gottesdienstes der israelischen Regierung für diesen Schritt.
Die künftige "Universität Papst Benedikt XVI." ist Teil des Bildungszentrums "Mar Elias Educational Institutions" (MEEI) in Ibillin, die vom Kindergarten bis zur Universität mehr als 3.800 Kindern und Jugendlichen Ausbildung zuteil werden lässt. Für den Neubau des Campus der Universität in Nazareth verlegt stellten die Franziskaner ein Grundstück zur Verfügung.
Unterstützt wird das Projekt auch aus Österreich. Die österreichischen Bischöfe hatten im November 2007 Galiläa besucht; Kardinal Christoph Schönborn setzte sich daraufhin bei den israelischen Behörden für die Erhebung der Hochschule zur Universität ein. Zudem wurden Kooperationsverträge zwischen der Mar-Elias-Universität und der Wiener Katholisch-theologischen Fakultät, der Sigmund-Freud-Privatuniversität und der Päpstlichen Hochschule Heiligenkreuz vereinbart.
Die Mar-Elias-Universität versteht sich nicht nur als Ausbildungseinrichtung, sondern will einen gezielten Beitrag zu Frieden und Versöhnung leisten. 60 Prozent der Studenten sind Muslime, und von diesen wiederum 60 Prozent Frauen. Jüdische Professoren machen 30 Prozent des Lehrkörpers aus; unterrichtet wird in Arabisch, Hebräisch und Englisch.
An der Mar-Elias-Universität werden u.a. drei universitäre Studienrichtungen angeboten - Umweltwissenschaft, Informatik und Kommunikations- und Medienwissenschaft. In den kommenden Jahren soll die Zahl der Studenten auf 3.000 steigen. Besonderes Schwergewicht soll neben der interkonfessionellen Zusammensetzung von Studierenden und Lehrkörper auf einen möglichst hohen Frauenanteil gelegt werden.
Nach der Messfeier in Nazareth wurden von Papst Benedikt XVI. noch vier weitere Grundsteine gesegnet: Für das neue Internationale Familienzentrum in Nazareth, für eine Mittelschule des lateinischen Patriarchats, für die neue Don Bosco-Schule in Nazareth und für den "Johannes Paul II.-Park" neben der "Domus Galilaeae", dem großen Bildungszentrum des "Neokatechumenalen Wegs" am See Genezareth. Der in Nazareth residierende Weihbischof Giacinto Boulos Marcuzzo wertete die Segnung der fünf Grundsteine als Zeichen für die "aktive Präsenz und für die Vitalität der katholischen Kirche in Galiläa".






