Jerusalem, 15.5.09 (KAP) Eine "Besinnung auf die Heiligkeit der Familie" hat Papst Benedikt XVI. bei der großen Messfeier in Nazareth, der Heimatstadt Jesu, gefordert. Die Familie sei der Grundstein jeder wohlgeordneten und offenen Gesellschaft. Die Institution Familie und deren Rechte müssten vom Staat geschützt werden, der auch zu gewährleisten habe, dass "alle Familien unter würdigen Bedingungen leben und gedeihen können". Ebenso habe der Staat die "Pflicht, die Familien in ihrer Aufgabe der Erziehung der Kinder zu unterstützen.
Zugleich mahnte Benedikt XVI. zur lebenslangen Treue zwischen Mann und Frau. Dazu gehöre auch die Annahme des "Geschenkes von neuem Leben". Die Familie sei "Hauskirche", Ort des Glaubens und des Gebets, Grundstein für Kirche und Gesellschaft.
Zu dem Gottesdienst am "Berg des Absturzes" waren mehr als 50.000 Gläubige, darunter auch Pilger aus aller Welt, unter freiem Himmel zusammengekommen. Der Name des Ortes geht auf die biblische Episode zurück, wonach eine aufgebrachte Menge Jesus den Abhang hinabstürzen wollte, auf dem Nazareth erbaut ist.
Mit der Papstmesse endete das "Jahr der Familie", das die katholische Kirche im Heiligen Land begangen hatte. Benedikt XVI. verlangte, Familien müssten in Würde leben und sich entfalten können. Jede Person in der Familie vom Kleinkind bis zum ältesten Angehörigen müsse um ihrer selbst willen angenommen werden. Der Papst rief in Nazareth - dem "Ort der Verkündigung an Maria" - dazu auf, die "gottgegebene Würde und eigentliche Rolle der Frauen" zu respektieren. In Familie und Beruf besäßen Frauen eine unverzichtbare Aufgabe, die Gesellschaft menschlich zu gestalten.
Der "Berg des Absturzes" erinnere Generationen von Pilgern daran, dass die Botschaft Jesu "manchmal eine Quelle des Widerspruchs und Konflikts war", so Benedikt XVI. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Spannungen zwischen Christen und Muslimen in Nazareth in den letzten zehn Jahren. Er rief beide Gemeinschaften "in Treue zu unserem gemeinsamen Glauben an den einen Gott" zur Versöhnung auf. "Lasst uns alle die zerstörerische Macht von Hass und Vorurteil zurückweisen, die die Seele der Menschen tötet, bevor sie den Leib tötet", sagte der Papst.
Hintergrund des Konflikts in Nazareth waren Pläne islamischer Fundamentalisten mit weitreichenden politischen Verbindungen sowohl nach Jerusalem als auch nach Riad, eine Großmoschee vor die Verkündigungsbasilika zu setzen. Die Auseinandersetzungen belasteten über Jahre das Verhältnis von Christen und Muslimen.
Der Besuch des Papstes in der Heimatstadt Jesu stand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Teilnehmer der Messfeier mussten sich an den Eingängen strengen Kontrollen unterziehen. Im Vorfeld hatten Islamisten gegen die Visite des Papstes protestiert und zu Kundgebungen aufgerufen.
Maria als Vorbild
Bei der abendlichen Vesper in der Verkündigungsbasilika verwies Papst Benedikt XVI. auf Maria als Vorbild für die Christen des Heiligen Landes. Wörtlich sagte Benedikt XVI.: "Wie Maria kommt euch eine Rolle in Gottes Heilsplan zu, indem ihr Christus in die Welt hineintragt, Zeugnis für ihn ablegt und seine Botschaft des Friedens und der Einheit verbreitet. Habt das Vertrauen, Christus treu zu sein und hier in dem Land zu bleiben, das er durch seine persönliche Gegenwart geheiligt hat".






