Jerusalem, 15.5.09 (KAP) Der Obere der Franziskaner im Heiligen Land, P. Pierbattista Pizzaballa, hat eine positive Bilanz der Papstreise ins Heilige Land gezogen. Die Visite sei ausgesprochen kompliziert gewesen und habe in einem "sehr komplexen Umfeld mit hohen Sensibilitäten" stattgefunden, sagte P. Pizzaballa am Freitag im Gespräch mit Journalisten. Benedikt XVI. habe alle sensiblen Punkte angesprochen und "alles gesagt, was gesagt werden muss", doch "immer in einer unaufgeregten Weise".
Benedikt XVI. hatte am Freitag seine einwöchige Reise nach Jordanien, Israel und in die palästinensischen Gebieten beendet. Die einheimischen Christen seien durch den Besuch sehr ermutigt worden, so P. Pizzaballa. Der Papst habe deutlich gemacht, dass er ihre Leiden wahrnehme, so wie "die Leiden aller Palästinenser und auch die Ängste der Israelis". Dabei habe sich der Papst "nicht in ein vorgefertigtes Schema pressen lassen", sondern weitsichtig über die menschlichen Grenzen in dem Konflikt hinausgewiesen. Im Kern sei der Besuch spirituell und pastoral gewesen und nicht politisch.
Mit Blick auf den Eklat beim interreligiösen Treffen am Montagabend in Jerusalem sagte der italienische Ordensmann, der Papstbesuch habe ein "sehr reales Panorama der Situation des interreligiösen Dialogs im Heiligen Land" gezeigt. Auf der einen Seite seien die Schwierigkeiten "für aller Augen sichtbar gewesen". Vielfach sei der Alltag geprägt von Spannungen, Vorurteilen und Instrumentalisierungen. Auf der anderen Seite habe das zweite interreligiöse Treffen in Nazareth jedoch bewiesen, dass "auch die ernsthafte Sehnsucht nach Begegnung" vorhanden sei. Am Donnerstag hatte der Papst in Nazareth gemeinsam mit Juden, Muslimen und Drusen Hand in Hand ein Friedenslied gesungen.
Die Kirche im Heiligen Land müsse nun "die Gunst des Augenblicks nutzen" und nicht in den kirchlichen Alltag zurückfallen, meinte P. Pizzaballa. Die einheimischen Gläubigen neigten vielfach zu Resignation und einer Haltung des "ständigen Sich-Beschwerens". Der Papstbesuch habe bewiesen, dass es möglich sei, trotz der Minderheitensituation "ein starkes Zeichen unserer Präsenz in der Gesellschaft auszusenden". Auf dieser Spur "müssen wir nun weitermachen", so der Obere der Franziskaner des Heiligen Landes.






