Vatikanstadt, 17.5.09 (KAP) Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen (und Vorsitzende der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum), Kardinal Walter Kasper, ist erfreut über den Erfolg der Pilgerreise Papst Benedikts XVI. ins Heilige Land. Gerade die Worte, die der Papst in Yad Vashem gefunden habe, seien "eine große Rede" gewesen, weil sie "einen neuen Aspekt, einen neuen Ton, eine neue Tiefe im Dialog" gebracht hätten.
Im Interview mit "Radio Vatikan" sagte Kardinal Kasper wörtlich:"Im Verhältnis zu den jüdischen Partnern, die wir schon bisher hatten, wird der Besuch den Dialog ganz sicher neu bestätigen und auch neu beflügeln. Natürlich muss man jetzt auch die negativen Stimmen in Betracht ziehen, die es gegeben hat. Ich plane, das nächste Mal mit den Freunden und Partnern darüber zu sprechen, wie man die Ergebnisse des Dialogs bekannter machen und die Basis verbreitern kann". Da sei sicher noch viel Arbeit notwendig, betonte der Kardinal. Auf der anderen Seite sei er erstaunt gewesen, wie viele Gesprächsgruppen zwischen Juden und Christen es in Israel selbst gibt. Das müsse noch mehr öffentlich gemacht werden.
Über die Frage der Seligsprechung von Pius XII. sei beim Besuch des Papstes nicht gesprochen worden. Persönlich sei er der Meinung, dass es sich hier um eine innerkirchliche Frage handle. Es sei aber eine Aufgabe, die jüngeren Ergebnisse der Forschung unabhängiger Historiker in Israel noch mehr bekannt zu machen. Vielfach sei in der Öffentlichkeit in Israel immer noch der Standpunkt von Rolf Hochhuth ausschlaggebend.
Was den ökumenischen Aspekt angeht, sagte Kardinal Kasper, dass man bei der Pilgerreise des Papstes die Früchte der Arbeit der letzten Jahrzehnte gesehen habe. Die positiven Begegnungen mit den Vertretern der orthodoxen und der altorientalischen Kirchen wären nicht möglich gewesen, "wenn vorher nicht sehr viel getan worden wäre". Kasper: "Man hat gesehen, da ist etwas gewachsen, das ist nicht nur Papier von Dokumenten". Begegnungen seien ja das Entscheidende beim ökumenischen Dialog.
Bertone: Positives Papstgespräch mit Netanyahu
Das Treffen von Papst Benedikt XVI. mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu ist nach Worten von Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone "sehr positiv" verlaufen. Mit Blick auf die laufenden Verhandlungen über Rechts- und Steuerfragen habe das Gespräch konkrete Punkte und konkrete Verpflichtungen behandelt, sagte der Kardinal in einem Interview mit "Radio Vatikan". Er wünsche sich einen neuen Impuls, "um die Ziele zu erreichen, die wir alle uns erhoffen".
Insgesamt wertete Bertone die Reise des Papstes, seine Worte und Gesten als "Beispiel der Ermutigung, der Hoffnung und des Dialogs für alle". Benedikt XVI. habe konkrete Wege auf Grundlage des Hauptgebots der Liebe aufgezeigt, das Christen, Juden und Muslimen gemeinsam sei.






