Prag, 29.09.2009 (KAP) Ausführlich berichteten die großen Prager Zeitungen am Dienstag (nach dem tschechischen Doppelfeiertag) über den Besuch von Papst Benedikt XVI. Die auflagenstärkste liberale Tageszeitung "Mlada fronta Dnes" widmete dem Papst fast die komplette Titelseite unter der Überschrift: "Möge Gott euch schützen". Mit diesen Worten hatte sich Benedikt XVI. am Montagabend verabschiedet.
Die "Mlada Fronta Dnes" erinnerte an die Mahnungen des Papstes zur Wiederentdeckung der christlichen Wurzeln. Benedikt XVI., so die Zeitung weiter, habe aber nur die ohnehin schon Überzeugten überzeugt. In ihrem Innenteil reservierte die Zeitung vier volle Seiten für den Papstbesuch. Ein Kommentator des Blattes bescheinigte Benedikt XVI. Showtalent: "Keine Frage, der Papst war der größte Showman, der in diesem Jahr in die Tschechische Republik kam". Die 100.000 Fans, die für Popstar Madonna und die Hardrock-Band Kabat begeistert waren, seien weniger gewesen als jene, die allein zur Papstmesse nach Brünn kamen.
Die konservative Tageszeitung "Lidove noviny" stellt auf ihrer Titelseite fest, der Papst habe Staatspräsident Vaclav Klaus "bezaubert". Klaus sei Benedikt XVI. während der drei Tage bei fast jeder Gelegenheit so nahe wie möglich gewesen. Er habe erklärt, dass er den Ansichten Benedikts XVI. nahe sei und dessen Befürchtungen vor einem Zerfall traditioneller Werte der Zivilisation teile. Nicht jeder freilich nehme dem Präsidenten dies so ohne weiteres ab, schrieb die Zeitung.
Auf den Kommentarseiten heißt es, der Papst habe es nicht leicht gehabt: als Deutscher, als Nachfolger des slawischen "Megastars Johannes Paul II." Benedikt XVI. sei eher "ein Professor, zurückhaltend, sachlich, aber dennoch ein interessanter Denker".
"Benedikt XVI. hat es bei uns gefallen" lautete die Schlagzeile der linken Tageszeitung "Pravo", die von allgemeiner Zufriedenheit am Ende des dreitägigen Besuchs des Papstes schrieb. Das einstige Zentralorgan der Kommunistischen Partei widmete dem Besuch zwei volle Seiten, berichtete nüchtern über die Stationen der Reise und zitierte überwiegend skeptische Kommentare der Weltpresse.
Im eigenen Kommentar hieß es, der erste Besuch von Papst Johannes Paul II. 1990 sei "ein goldener Bonus" gewesen, "der direkt vom Himmel zu fallen schien". Doch die Kirche habe daraus nichts gemacht, so der Kommentator. Es sei unklug und "kontraproduktiv" gewesen, Forderungen nach Vermögensrückgabe zu stellen, wenn von vornherein klar gewesen sei, dass diese angesichts der Gleichgültigkeit der Öffentlichkeit nicht zu erfüllen seien.
Die liberale Zeitung "Prazsky denik" nannte den Papstbesuch in der Tschechischen Republik nützlich. Am Ende sei es keine so schwere Mission gewesen, wie man hätte erwarten können. Benedikt XVI. sei in ein Land gekommen, wo man rational an die Dinge herangehe und nachdenke: "Wir leben in einer Zeit, in der sich die Menschen schämen, Worte wie Wahrheit, Hoffnung oder Freiheit zu benutzen. Dabei ist klar, dass ein Leben ohne Wahrheit, Hoffnung und Freiheit weder Perspektive noch Sinn hat", so der Kommentator.






