|
Die erste Station auf der Suche nach Spuren des Paulus stellt das antike Antiochia an der Grenze nach Syrien dar.
Hier wurden die Jünger zum ersten Mal als Christen bezeichnet - und hier wirkte der Apostel Paulus gemeinsam mit Barnabas einige Zeit in einer der Urgemeinden, hier begann die gewaltige Missionstätigkeit des Völkerapostels, die sich zwischen den Jahren 49 und 59 n.Chr. in drei Missionsreisen niederschlagen sollte.
> Eine Bildergalerie zu Antakya/Antiochia finden Sie hier
![]() |
| Straßenszene in Antakya |
|
Der Gebetsraum der katholischen Gemeinde in Antakya |
In einer Seitengasse in Antakya weist ein verrostetes Schild auf eine katholische Kirche hin. Hinter einem baufälligen Torbogen öffnet sich ein weitläufiger Hof. Aus den geöffneten Fenstern eines Seitengebäudes tönen plötzlich bekannte Klänge: "Laudate omnes gentes". Rund 15 Jugendliche sitzen in einer kleinen Kapelle, lauschen den Akkorden der Gitarre von Pastoralassistentin Barbara Kallasch und intonieren erneut den Taize-Gesang.
Seit mehr als 30 Jahren lebt und arbeitet sie in Antakya und hat dabei geschafft, was auch in Westeuropa als Balanceakt gilt: Woche für Woche sammelt sie orthodoxe, katholische und muslimische Jugendliche zu einem ökumenischen Friedensgebet. "Wer miteinander singt, Andacht hält und anschließend zu Tisch sitzt, übt keine Gewalt", weiß sie zu berichten. Texte über Selbstverpflichtung auf Gewaltlosigkeit werden miteinander gelesen, "Kein Frieden ohne Gerechtigkeit", heißt der Tenor. Von weitem dringt der Gebetsruf des Muezzins durch die Tür. Dann wird einige Minuten für den Frieden geschwiegen.
Umschlagplatz zwischen Europa und dem Nahen Osten
![]() |
Pastoralassistentin Barbara Kallasch im Gespräch |
Bei einem anschließenden kleinen Empfang im Innenhof des Pilger- und Begegnungszentrums ist das Interesse an den fremden Besuchern groß. Stolz präsentieren Jean-Pierre, ein junger syrisch-orthodoxer Christ, und Mustafa, ein Alewit, eine weitere Frucht der Arbeit Barbara Kallaschs: sie reden deutsch und tuscheln aufgeregt, wenn sie eine Antwort nicht gleich verstehen.
Dass die Region anders ist, dass in ihr das Zusammenleben der Religionsgemeinschaften besser gelingt als andernorts, führt Kallasch auf die einzigartige Lage Antiochiens zurück - im äußersten Winkel der Türkei gelegen, war die Region immer auch Handels- und Umschlagplatz zwischen Europa und dem Nahen Osten (und bis 1939 französisch verwaltet). Die kemalistische Religionspolitik wurde hier erst 20 Jahre später als in der übrigen Türkei wirksam. Über die gemeinsamen religiösen Wurzeln kann man sich heute übrigens in Antakya gut informieren: gleich um die Ecke hat Barbara Kallasch ein "Monotheistisches Informationszentrum" ins Leben gerufen - mit einer kleinen Bibliothek, Lese- und Arbeitsräumen.
|
| Die Küste bei Seleucia |
"In diesem Hafenbecken begannen und endeten für Paulus die Missionsreisen": Ungläubig lässt die Reisegruppe den Blick über blühende Sträucher und grüne Felder streifen. Nur im Hintergrund sind das Meer und die Ausläufer der Stadt Tarsus noch zu erahnen.
Meltem, die impulsive und vor Geschichten übersprudelnde türkische Reiseleiterin, sieht den Zweifel in den Gesichtern und erklärt: Seleukia, der Hafen von Tarsus, war einst ein großer Verkehrsknotenpunkt im Mittelmeerraum - bis er schließlich Stück für Stück versandete. Selbst ein mühsam in den Fels getriebener Frischwasserkanal, von dem heute noch eindrucksvolle Reste zu sehen sind, konnte das Ende des Hafens nicht aufhalten.
![]() |
Küstenstraße nahe Seleucia |
Die gesamtekilikische Küste bis Iskenderun und zur syrischen Grenze hat einen etwas melancholischen Charakter, als wirkten die Katastrophen der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts noch nach.
"Die europäischen Touristen meiden die Gegend", sagt Meltem. Die wenigen Hotelanlagen am Meer sind im Sommer fest in einheimischer Hand.











