In seiner "fliegenden Pressekonferenz" auf dem Flug nach Washington stellte Benedikt XVI. klar, dass Pädophile nicht Priester sein können - "Kathpress"-Korrespondentenbericht von Johannes Schidelko
Washington, 15.4.08 (KAP) Seine erste Botschaft erreichte die Amerikaner bereits, bevor Benedikt XVI. amerikanischen Boden betrat: Hoch über dem Atlantik stellte sich Benedikt XVI. auf dem Flug von Rom nach Washington den Fragen der mitreisenden Journalisten. Dabei bekundete er nicht nur Freude über seinen Amerika-Besuch. In unmissverständlicher Weise äußerte er sich zu dem Thema, das die katholische Kirche in den USA in den letzten zehn Jahren am schärfsten bedrängt hatte: Die Missbrauchs-Skandale, die landesweite Enthüllung sexueller Vergehen von Priestern an minderjährigen Jugendlichen.
Die Botschaft des Papstes war klar: Wer sich der Pädophilie schuldig gemacht hat, kann nicht Priester der katholischen Kirche sein. Er sei zutiefst beschämt über diese Skandale und frage sich, wie so etwas passieren konnte. Er habe Mitgefühl mit der Kirche in den USA, vor allem aber mit den Opfern. Zur Aufarbeitung empfahl er einen Drei-Stufen-Plan: Eine juristische Klärung im Sinne der Null-Toleranz für Pädophile, wie die US-Bischöfe sie bereits in ihrem intensiven Bemühen um Schadensbegrenzung beschlossen hatten - in Abstimmung mit dem Vatikan. Ausdrücklich unterschied Benedikt XVI. dabei zwischen Pädophilie und Homosexualität.
Dann empfahl er eine pastorale Aufarbeitung, die sich um eine "Heilung" der tiefen Verletzungen der Opfer bemühen solle. Und schließlich müsse die Kirche alles daransetzen, dass sich so etwas nie wiederhole. Das gelte insbesondere für die Auswahl der Seminaristen. Zur Priesterausbildung und erst recht zur Priesterweihe könne nur zugelassen werden, wer physisch und psychisch gesund und gefestigt sei und eine tiefe Verankerung im Glauben und in der Gottesliebe habe. "Es ist wichtiger, gute Priester zu haben als viele", so die Maxime des Papstes.
Damit hatte Benedikt XVI. nicht nur bereits vor Beginn seiner USA-Reise einen harten Kurs gefordert, wie ihn die Öffentlichkeit von der Kirche auch erwartet. Er stellte sich so auch demonstrativ hinter jene Bischöfe, die mit einer solchen Linie der Kirche verlorene Glaubwürdigkeit zurückgeben wollen, auch wenn manche Diözese durch Entschädigungszahlungen auf Grund des angelsächsischen Rechtssystems in den wirtschaftlichen Ruin getrieben wurde.
Nicht nur der Missbrauchsskandal war Thema der rund 20-minütigen "fliegenden Pressekonferenz". Es ging auch um das Problem der Zuwanderer aus Lateinamerika. Ein Problem, über das er auch mit Präsident George W. Bush bei seiner bevorstehenden Unterredung sprechen wolle, wie Benedikt XVI. betonte. Kurzfristig müsse es um Hilfe für Familien, auch für auseinandergerissene Familien gehen, forderte der Papst. Mittel- und längerfristig müssten die Lebensbedingungen in den Staaten Lateinamerikas verbessert werden, damit die Menschen nicht auf Grund von Not und Hunger ihr Heil in der Auswanderung suchten.
Dann gab es aber auch noch Lob und Anerkennung für die Religiosität in der US-Gesellschaft, auch für das auf das 18. Jahrhundert zurückgehende System der strikten Trennung von Kirche und Staat bei gleichzeitiger Offenheit für die Religion. Dieses System garantiere den Kirchen und Glaubensgemeinschaften große Entfaltungsmöglichkeiten in völliger Freiheit. Europa könne das nicht so ohne weiteres kopieren, zumal auch Amerika heute neue Wellen der Säkularisierung erlebe.






