Washington, 17.4.08 (KAP) In einer Ansprache vor den rund 350 US-amerikanischen Bischöfen ist Papst Benedikt XVI. in Washington erneut auf die Missbrauchs-Skandale um katholische Priester eingegangen. Dabei beklagte er sowohl die sexuellen Vergehen selbst als auch zeitweiliges Versagen im Krisenmanagement. Die Vorgänge seien Anlass für "tiefe Scham", so Benedikt XVI. Zugleich betonte er, die "überwältigende Mehrheit" der Priester und Ordensleute in den USA leiste hervorragende Arbeit. Zugleich würdigte der Papst die Glaubenshaltung der Amerikaner. Die Selbstverständlichkeit, mit der man biblische Überzeugungen in den öffentlichen Diskurs einbringe, gehe einher mit religiöser Toleranz. Allerdings biete die Gesetzgebung mitunter Anlass zur Sorge, bedauerte der Papst. Auch viele Katholiken gingen in ethischen Kernfragen nicht konform mit dem Lehramt.
Benedikt XVI. forderte demgegenüber ein "klares und einiges Zeugnis" der Kirche. Sie müsse auf eine "schrittweise Öffnung" weiterer Gesellschaftskreise gegenüber der katholischen Lehre in ethischen Grundfragen, vor allem im Bereich des Lebensschutzes und der Familie, hinarbeiten. Die amerikanischen Bischöfe trügen die Verantwortung für die moralische Bildung auf allen Ebenen der Kirche, betonte der Papst.
Benedikt XVI. beklagte einen "alarmierenden Rückgang" katholischer Eheschließungen. Scheidungen nähmen zu, viele junge Menschen lebten in außerehelichen Beziehungen. "Wie sollten wir nicht bestürzt sein angesichts des Niedergangs der Familie als Basis für Kirche und Gesellschaft?", betonte Benedikt XVI. Er rief die Bischöfe auf, deutlich die "Argumente von Glaube und Vernunft" zu Gunsten der Ehe vorzutragen.
Der Papst warnte vor einem "subtilen Einfluss des Säkularismus", der die religiöse Grundgesinnung im Land trübe. Es sei inkonsequent, dem katholischen Bekenntnis widersprechende Geschäftspraktiken und medizinische Methoden zu propagieren. Weiter kritisierte er Missachtung und Ausbeutung von Armen, ein Sexualverhalten entgegen der kirchlichen Morallehre und vor allem die Verstöße gegen den Lebensschutz.
Außerdem rief Benedikt XVI. die US-Bischöfe zu Achtsamkeit gegenüber materialistischen Tendenzen und Diesseitsbezogenheit auf. "In einer Gesellschaft, die persönliche Freiheit und Autonomie hochschätzt, ist es leicht, den Blick für unsere Abhängigkeit von anderen wie auch für die Verantwortung, die wir für sie tragen, zu verlieren", sagte Benedikt XVI. Der Mensch sei als soziales Wesen geschaffen und finde seine Erfüllung nur in der Liebe zu Gott und den Nächsten.
Lob für die Laien
Ausdrücklich lobte Benedikt XVI. die katholischen Laien. Sie stellten ihre "breit gefächerten Gaben in den Dienst der Kirche und der ganzen Gesellschaft". Zugleich mahnte er, den traditionell hohen Standard religiöser Bildung zu erhalten und auszuweiten. Besonders katholische Mitarbeiter im Gesundheitswesen bräuchten mehr Unterweisung in der Morallehre der Kirche.
Benedikt XVI. ermutigte die Bischöfe und ihre Gemeinden zur Offenheit gegenüber Einwanderern. Sie sollten deren Freude und Hoffnung teilen und sie in ihren Sorgen unterstützen, wie es Generationen von Amerikanern zuvor getan hätten. Allgemein würdigte der Papst die großzügige Hilfsbereitschaft der US-Bürger. Dankbar äußerte er sich dabei auch über das katholische Wohlfahrtswesen und das Netz der Krankenhäuser, Schulen und Universitäten.






