Washington, 17.4.08 (KAP) In seiner Predigt bei der Messfeier im "Stadium" der Washingtoner Baseball-Mannschaft "Nationals" hat Papst Benedikt XVI. am Donnerstag die Bedeutung der lateinamerikanischen Einwanderer für die Kirche in den USA gewürdigt. Der Papst betonte in seiner Predigt (die er abschnittsweise auch auf spanisch hielt), dass die Kirche in den USA auch dank des lebendigen Zeugnisses der spanischsprachigen Gläubigen gewachsen sei. Er rief die Katholiken des Landes auf, sich weiter für die Verkündigung des Evangeliums einzusetzen.
Zugleich ging Benedikt XVI. neuerlich auf den Missbrauch-Skandalen, der die Kirche in den Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren erschüttert hatte. "Keines meiner Worte kann den Schmerz und das Leid beschreiben, das solcher Missbrauch zufügt", sagte er. Unbeschreiblich sei auch der Schaden innerhalb der Kirche. Den Opfern müsse man mit seelsorglicher Liebe begegnen. Der Papst lobte Fortschritte im Umgang mit der "tragischen Situation"; dieser Weg sei fortzusetzen. Er rief die Anwesenden dazu auf, alles ihnen Mögliche zu tun, um Heilung und Versöhnung zu fördern und jene zu unterstützen, die verletzt wurden. Gleichzeitig müssten die vielen guten Priester in ihrer hervorragenden Arbeit bestärkt werden.
Benedikt XVI. nannte die Amerikaner ein Volk der Hoffnung. Ihre Vorfahren seien mit der Erwartung in das Land gekommen, neu zu beginnen, neue Chancen zu finden und eine neue Nation zu gründen. Diese Hoffnungen hätten nicht alle Bewohner des Landes erfahren, betonte der Papst. Er erinnerte an die Ungerechtigkeiten, die die Indianer und die aus Afrika gewaltsam ins Land gebrachten Sklaven hätten ertragen müssen. Hoffnung auf die Zukunft sei aber ein Teil des amerikanischen Wesens.
Der Papst rief die Gläubigen dazu auf, lebendige Zeugen des Evangeliums zu sein: "Die Welt braucht dieses Zeugnis". Sie befinde sich ebenso wie die Kirche derzeit an einem Scheideweg. Die Gegenwart sei eine Zeit großer Verheißungen, es gebe aber auch klare Zeichen für einen Zusammenbruch der Fundamente der Gesellschaft: Zeichen der Entfremdung, des Zorns, wachsender Gewalt, eines schwindenden moralischen Bewusstseins, einer Verrohung sozialer Beziehungen und einer wachsenden Gottvergessenheit.
Polarisierung in der Kirche
Auch die Kirche durchlebe neben hoffnungsvollen Zeichen in ihren starken Pfarrgemeinden mit vielen jungen Menschen auch schmerzhafte Erfahrungen. Der Papst sprach von einer Spaltung und Polarisierung innerhalb der Kirche. Zudem lebten viele getaufte Kirchenmitglieder "gegen die Wahrheit des Evangeliums". Diese Herausforderungen könnten nur durch eine gründliche Kenntnis der Glaubenswahrheiten und eine katholische Grundoption bewältigt werden.
Besonders nahm Benedikt XVI. die Bischöfe, Priester, Ordensleute, aber auch Eltern und Lehrer in die Pflicht. Die Kirche brauche Treue in der Weitergabe des Glaubens, um den Herausforderungen einer mehr und mehr säkularen und materialistischen Gesellschaft zu entsprechen.






