Washington, 18.4.08 (KAP) Mit einer persönlichen Geste wollte Papst Benedikt XVI. bei seiner USA-Reise zur Aufhellung des getrübten Klimas im katholisch-jüdischen Verhältnis beitragen. So schob er nachträglich in das Programm seiner Reise zwei Begegnungen mit amerikanischen Juden ein, um ihnen zum bevorstehenden Pessach-Fest zu gratulieren: In Washington traf er am Donnerstagabend nach einer interreligiösen Begegnung noch gesondert mit der jüdischen Delegation zusammen. In New York stand für Freitagnachmittag der Besuch der Park East Synagoge mit ihrem aus Wien stammenden Rabbiner Arthur Schneier auf dem Programm.
In Washington kam Benedikt XVI. nach der interreligiösen Begegnung im "Pope John Paul II Cultural Center" mit rund 30 jüdischen Vertretern zusammen. Der Papst gratulierte jedem einzelnen zu Pessach. Und er überreichte eine schriftliche Botschaft.
Darin bestätigt Benedikt XVI. persönlich, dass die katholische Kirche keinesfalls von ihrer mit der Erklärung "Nostra aetate" des Zweiten Vatikanischen Konzils eingeschlagenen Linie abrücke. Die Kirche sei dem Dialog mit dem Judentum verpflichtet, "der in den vergangenen vier Jahrzehnten unsere Beziehungen grundlegend geändert hat". Und in diesem Begegnungsprozess seien viel Vertrauen und Freundschaft gewachsen, unterstrich der Papst.
Mit "Nostra aetate" hatte die katholische Kirche 1965 eine grundlegende Wende in der Haltung gegenüber dem Judentum eingeleitet; die jüdischen Wurzeln des Christentums werden seither hoch geschätzt. Auf unterschiedlichen Ebenen wird seither ein Dialog zwischen Katholiken und Juden geführt. Johannes Paul II. besuchte die römische Synagoge, Benedikt XVI. ging in das jüdische Gebetshaus von Köln.
Freilich gab es immer wieder Missverständnisse und Belastungen - um die Öffnung der Vatikan-Archive aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs (die der Vatikan teilweise vorzeitig zugänglich machte), um das Seligsprechungsverfahren für Pius XII., vor allem aber um politische Positionen im Nahost-Konflikt. Zuletzt hatte die Neuformulierung der Karfreitagsfürbitte für die Liturgie nach "altem Usus"für Verstimmungen gesorgt. Das Gebet für die Erleuchtung der Juden, "damit sie Jesus Christus als den Retter aller Menschen erkennen", war von jüdischen Rabbinern wie von katholischen Theologen als Aufruf zur Judenmission und als Abkehr von der nachkonziliaren Kirchenlinie gedeutet worden.
Vatikan-Vertreter wie der für die religiösen Beziehungen zum Judentum zuständige Kardinal Walter Kasper wiesen diese Deutung zurück. Die neue Karfreitagsfürbitte für den alten Ritus erwarte das Heil für Israel nicht auf Grund von Judenmission, sondern am Ende der Zeiten, wenn alle anderen Völker ins Heil eingetreten seien.
In seiner neuen Botschaft zog der Theologen-Papst Benedikt XVI. den großen Bogen vom jüdischen Pessach-Fest zum christlichen Ostern - unter deutlichem Hinweis auf alle bestehenden Differenzen: "In Respekt und Freundschaft bitte ich die Jüdische Gemeinde, meine Wünsche für Pessach anzunehmen - in einem Geist der Offenheit für die realen Möglichkeiten der Zusammenarbeit, die wir vor uns sehen". Er schloss seine Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten an - für das Heilige Land, "wo die mit der Offenbarung Gottes zusammenhängenden Ereignisse real stattfanden".






