Washington, 18.4.08 (KAP) Eine Schärfung ihres christlichen Profils hat Papst Benedikt XVI. von den katholischen Schulen und Universitäten in den USA gefordert. Bei einer Begegnung in der Katholischen Universität Washington am Donnerstag betonte er "die Pflicht und das Privileg" der Lehrenden, eine Unterweisung in der katholischen Lehre und Praxis zu gewährleisten. Das verlange ein "öffentliches Zeugnis" für die christliche Botschaft innerhalb wie außerhalb des Unterrichts.
"Ein Abweichen von diesem Leitbild schwächt die katholische Identität und führt, weitab von einem Freiheitsgewinn, unausweichlich zu Verwirrung, sei es moralisch, intellektuell oder geistlich», sagte Benedikt XVI. Er nannte es unverzichtbar, die persönliche Nähe der Studierenden zu Christus zu stärken und sie zur aktiven Teilnahme am kirchlichen Leben zu ermutigen. Bildung müsse moralischer Verwirrung und einer Fragmentierung des Wissens entgegenwirken.
Der Papst appellierte an die US-Katholiken, kirchliche Bildungseinrichtungen großzügig und nachhaltig zu unterstützen. Es dürfe keine sozialen oder wirtschaftlichen Hemmschwellen geben: "Keinem Kind sollte das Recht auf eine Erziehung im Glauben verwehrt werden, der wiederum die Seele der Nation nährt".
Wahrheit und Glaube
Den Auftrag der Kirche im Bildungsbereich beschrieb der Papst als "Diakonie der Wahrheit". Damit an katholischen Bildungseinrichtungen der Glaube spürbar sei, müsse er entsprechenden Ausdruck in Liturgie, Gebet, Caritas und Einsatz für Gerechtigkeit finden. Christliche Erziehung sollte die Jugendlichen von den "Schranken des Positivismus" befreien und ihr Herz für Gott öffnen.
Nachdrücklich wandte sich der Papst gegen "säkularistische Ideologien", die einen Keil zwischen Wahrheit und Glauben treiben wollen. Das führe dazu, Wahrheit mit Wissen gleichzusetzen. Eine positivistische Mentalität leugne die Grundlagen des Glaubens und die Notwendigkeit moralischer Leitbilder. Der Verzicht auf die Kategorien von richtig und falsch ebne "kaltem pragmatischen Nützlichkeitsdenken" die Bahn, warnte der Papst. Der Mensch drohe zu einer Figur auf einem ideologischen Schachbrett zu werden.
Wenn jenseits des Individuums nichts definitive Gültigkeit habe, werde die Wunscherfüllung des Einzelnen zum letzten Maßstab, betonte Benedikt XVI.: "Wir erleben die Hypothese von der Gleichwertigkeit jeder Erfahrung und ein Zögern, Unvollkommenheit und Fehler einzugestehen". Besonders beunruhigend nannte er eine "Reduktion des kostbaren und sensiblen Bereichs der Sexualerziehung auf Risikomanagement".
An die katholischen Lehrer und Erzieher appellierte der Papst, die Beziehung zwischen dem Glauben und allen Aspekten des familiären und bürgerlichen Lebens herauszustellen. Im Hinblick auf die katholischen Universitäten bekräftigte er den "großen Wert der akademischen Freiheit". Man könne sich aber nicht auf diesen Grundsatz berufen, wenn es um Positionen gehe, die dem Glauben und der Lehre der Kirche widersprechen.






