25.000 Jugendliche jubelten Benedikt XVI. im Park des St. Joseph's Seminary in Yonkers zu
New York, 20.4.08 (KAP) Vor einer falsch verstandenen Freiheit hat Papst Benedikt XVI. die Jugendlichen in den USA gewarnt. Freiheit sei ein empfindlicher Wert, der missverstanden, missbraucht und manipuliert werden könne, sagte er am Samstagabend bei einem Treffen mit 25.000 jungen Menschen im St. Josephs's Seminary in der unmittelbar nördlich an New York anschließenden Stadt Yonkers. Viele Jugendliche seien im Namen einer falsch verstandenen Freiheit zu Sucht, moralischer und geistiger Verwirrung, Schmerz, Verlust der Selbstachtung oder gar zu Verzweiflung und Selbstmord geführt worden.
Benedikt XVI. kritisierte vor den Jugendlichen neuerlich den "Relativismus", der alles "gleich gültig" sein lässt und für sich beansprucht, eine "Befreiung" des Gewissens zu sein. Der Papst appellierte an die Jugendlichen, ihr Leben zu einem Weg der Hoffnung zu machen. Auf Englisch und Spanisch lud er sie zu Gebet, Teilnahme am Leben der Kirche und tätiger Nächstenliebe ein. Entschieden wies der Papst die Auffassung zurück, Katholiken seien Menschen, "die nur von Verboten sprechen".
Gegen Armut, Rassismus und Gewalt
Die Träume und Sehnsüchte junger Menschen können sehr leicht erschüttert oder zerstört werden, erinnerte der Papst. Als Beispiele nannte er Drogenmissbrauch, Gewalt und Erniedrigung, Rassismus. Der 81-jährige appellierte an die jungen Katholiken, wie Christus "alles für Wahrheit und Gerechtigkeit zu geben"; zugleich wies er Denkweisen zurück, die den Menschen als "Objekt" betrachten und die Menschenwürde verspotten. Eindringlich mahnte Benedikt XVI. auch zum ökologischem Engagement: "Die Erde selbst stöhnt unter der Last von Konsumgier und verantwortungsloser Ausbeutung".
Die Seminaristen, die an dem Treffen teilnahmen, bestärkte der Papst auf ihrem Weg. Zugleich rief er die künftigen Priester zu Bescheidenheit auf: "Widersteht jeder Versuchung zur Prahlerei, zum Karrieredenken und Dünkel".
Stundenlanges Vorprogramm
Schon Stunden vor dem Eintreffen des Papstes im groß angelegten Park des Priesterseminars hatten sich dort Tausende junger Katholiken bei frühsommerlichen Temperaturen mit einem Musikprogramm auf den Abend eingestimmt. Mehrere hundert Priesterseminaristen nahmen an dem Treffen teil.
Benedikt XVI. zeigte sich gelöst. Schon auf dem Weg zur Veranstaltungsbühne begrüßte er außer Protokoll einzelne Besucher an den Absperrungen. Die Jugendlichen, die auch aus anderen Diözesen angereist und teils seit den frühen Morgenstunden unterwegs waren, hießen den Papst mit minutenlangem Applaus willkommen. Immer wieder unterbrachen spontane Gesänge und Jubel das Programm.
Nach der Begrüßung durch den New Yorker Erzbischof, Kardinal Edward Egan, übergaben Jugendliche dem Papst verschiedene Brotsorten, Reis und Mais als Zeichen der unterschiedlichen Kulturen und Traditionen, aus denen sie stammen. Nachträglich zum Geburtstag des Papstes sang die Menge auf deutsch "Zum Geburtstag viel Glück".
Behinderte können "Zeichen der Hoffnung" sein
Vor der Begegnung im Park traf Benedikt XVI. in der großen Kapelle des Priesterseminars mit geistig und körperlich behinderten Jugendlichen zusammen. Behinderte können nach den Worten von Papst Benedikt XVI. ein "Zeichen der Hoffnung für jedermann" geben. Sie seien von Gott mit Leben und mit unterschiedlichen Talenten und Gaben gesegnet, unterstrich er bei der Begegnung mit den Jugendlichen. Damit könnten sie Gott und der Gesellschaft auf vielfache Weise dienen.
An der kurzen Begegnung in der Kapelle nahmen rund 50 Kinder und Jugendliche mit Eltern und Betreuern teil. Trotz Verspätung im Programm nahm sich Benedikt XVI. ausgiebig Zeit, um einzelne Kinder zu begrüßen und zu segnen.
Es sei nicht immer leicht, einen Sinn im Leiden und in Schwierigkeiten zu finden, so Benedikt XVI. Dagegen helfe der Glaube, den eigenen Horizont zu öffnen und "das Leben so zu sehen, wie es Gott sieht". Der Papst bat die Behinderten um ihr Gebet.
St. Joseph's Seminary galt lange Zeit als das größte Priesterseminar
Das St. Joseph's Seminary galt lange Zeit als das größte Priesterseminar der katholischen Weltkirche. Den Grundstein für die grandiose Anlage auf dem Valentine Hill im Stadtteil Dunwoodie legte Erzbischof Michael J. Corrigan im Mai 1891. Ursprünglich war die Ordensgemeinschaft der Sulpizianer für die Ausbildung der Seminaristen zuständig, später wurde diese Aufgabe von Diözesanpriestern übernommen.






