Designierter Linzer Weihbischof betont bei seiner ersten Pressekonferenz, dass er keine Spaltung bringen wolle
Linz, 2.2.09 (KAP) "Es geht letztlich um die Botschaft des Glaubens. Ich möchte als Seelsorger für die Menschen da sein und hoffe, dass ich auch in Zukunft Seelsorger sein darf". Das sagte der designierte Linzer Weihbischof Gerhard Maria Wagner am Montag bei seinem ersten Pressegespräch im Linzer Bischofshof. Als Pfarrer von Windischgarsten habe er gespürt, dass Seelsorge "etwas ganz Großes" sei: "Für die Leute da sein, den Glauben verkünden, das ist einfach unsere Aufgabe". Er habe es immer als seine Aufgabe gesehen, die Menschen zu Gott zu führen, Seelsorge sei für ihn zentral.
Er habe "von klein" auf den Wunsch gehabt, Priester zu werden, sagte Wagner. Als Priestervorbilder nannte er Pfarrer Johannes Edlmüller aus seinem Geburtsort Wartberg ob der Aist im Mühlviertel und Franz Greil, der während Wagners Zeit im Linzer bischöflichen "Collegium Petrinum" Präfekt war. Der bischöfliche Wahlspruch Gerhard Wagners ist dem großen Lobgesang Mariens entnommen: "Magnificat anima mea Dominum" ("Meine Seele preist die Größe des Herrn").
Priester und Laien
Von Journalisten nach der öffentlichen Kritik in der Diözese Linz an seiner Person befragt, antwortete der designierte Weihbischof, dass er nicht gekommen sei "um Spaltung zu bringen". Er stelle allerdings fest, dass es in der Diözese "tatsächlich ein Stück weit die Polarisierung gibt", so Wagner wörtlich. Mit dem "lieblosen Empfang" habe er "kein Problem". Er sehe aber nicht ein, warum er als Spalter hingestellt werde, wenn er für die eine Kirche eintrete und sich hinter den Papst stelle. Wagner: "Das verstehe ich nicht, da stimmt etwas nicht; dem werde ich mich sicher mit aller Kraft stellen". Im Gegenteil sollten sich jene, die abweichen, fragen, ob sie nicht selbst an der Spaltung arbeiten würden.
Befragt nach seiner Sicht zur Position der Laien in der Kirche sagte Wagner: "Die Kirche hat, vor allem angeregt durch das Zweite Vatikanische Konzil, die Mitarbeit der Laien sehr stark forciert. An dieser Tatsache kommen wir nicht vorbei". Es gäbe aber trotzdem den Grundsatz, dass ein Priester nur durch einen Priester ersetzt werden könne, weshalb man den Einsatz für Priesterberufungen verstärken müsse. "Aber selbst wenn es viele Priester gäbe, braucht es den engagierten Laien", stellte der designierte Weihbischof fest.
Er selbst habe in Windischgarten rund 280 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in den unterschiedlichsten Bereichen der Pfarre arbeiten. "Es war tatsächlich eine Seelsorge auf breitester Basis möglich", so Wagner. "Grundsätzlich wichtig" ist dem neuen Weihbischof die Loyalität der Laien gegenüber der Kirche. Es gehe um ein Miteinander für den Glauben.
Zum Zweiten Vatikanischen Konzil könne er "sehr gut stehen". Aber: "Die Laisierung des Priestertums und die Klerikalisierung des Laientums hat das Zweite Vatikanische Konzil auf keinen Fall erfunden", so Wagner wörtlich.
"Größerer Horizont"
Wagner plädierte dafür, Sorgen über die Entwicklung der Kirche in einen größeren Horizont zu stellen. Er selbst habe während des Studiums in Rom "Kirche im großen Horizont" erlebt: "Ich habe dort schon gespürt: da ist Gemeinschaft über die Grenzen hinaus, über das, was oft die Enge des Lebens ausmacht".
Die katholische Kirche habe nicht nur die Situation in Österreich im Visier, sondern sehe die größeren Probleme der Welt. "Selbstverständlich" könne man aber auch in Dikasterien der römischen Kurie die Sorgen der Menschen in der Diözese Linz ansprechen, so Wagner. Auch wisse er um die Probleme, die auf die Diözese zukommen, wenn Pfarren nicht mehr besetzt werden können. Sein Appell: "Öffnen wir den Horizont. In anderen Teilen der Welt sind die Probleme auch da noch größer".
Schwarz bedauert "unchristliche" Kritik
Sein Bedauern über die "zum Teil sehr negative Berichterstattung in den ersten Tagen" des neuen Weihbischofs äußerte Diözesanbischof Ludwig Schwarz. Wagner habe "sich nicht beworben um diesen Posten, er hat im Gehorsam dem Papst gegenüber diese Aufgabe in aller Demut übernommen". Da "würde man auf christlicher Seite eine bessere Begrüßung und Einführung erwarten als hauptsächlich von negativen Dingen zu sprechen", nahm Schwarz Anstoß an "wirklich unschönen" Bemerkungen. Die Kritiker erinnerte der Bischof an die Ermahnung Christi, nicht nur den "Splitter im Auge des Bruders" zu sehen, sondern auch "den Balken im eigenen Auge".
Seinem neu ernannten Weihbischof entbot Schwarz seinen "besonderen Willkommensgruß". Der Linzer Bischof wörtlich: "Ich danke Gott und freue mich aufrichtig darüber, dass Papst Benedikt XVI. den Pfarrer von Windischgarsten, Gerhard Maria Wagner, zum neuen Weihbischof von Linz ernannt hat". Er freue sich über die Entlastung bei den regelmäßig vorgeschriebenen bischöflichen Visitationen in den 489 Pfarren der Diözese. Als Weihbischof werde Wagner auch Kirchweihen und Firmungen vornehmen sowie Diakone und Priester weihen. Weihbischöfe seien für den Diözesanbischof auch "besondere Ratgeber in seelsorglichen Fragen", so Schwarz.






