Neuer Linzer Weihbischof betont in ersten Interviews, dass er keine Spaltung will - Sind Islam und Demokratie vereinbar?
Linz, 2.2.09 (KAP) Es sei ihm wichtig, "Akzente zu setzen und die Botschaft Gottes zu verkünden", sagte der neue Linzer Weihbischof Gerhard Wagner in einem "Presse"-Interview. Das gehe "oft nicht, ohne unbequeme Dinge zu sagen, das werde ich auch weiterhin konsequent tun". Angesichts von Kritik an seiner Ernennung erklärte Wagner, er halte er nichts von "Etikettierungen" wie "progressiv" oder "konservativ". Er "betreibe keine Spaltung", setze sich im Gegenteil für die Einheit der Kirche ein: "Deshalb zählt für mich auch der Wille des Papstes und nicht die Stimme Einzelner". Zuletzt seien Dinge als Ausdruck von Ärgernis und Enttäuschung gesagt worden, "die beleidigend sind".
Zum Thema Priestermangel erklärte Wagner, es sei wichtig, "den Priestern ihre von Gott verliehene Würde zu erhalten". Man dürfe diese Würde "nicht länger in der Öffentlichkeit demontieren". Für ihn sei ganz klar, dass ein Priester nur von einem Priester ersetzt werden kann. In seiner bisherigen Pfarre in Windischgarsten würden keine Mädchen ministrieren, "weil wir genug Buben dafür haben. Das ist keine Glaubensfrage, für Mädchen gibt es andere Aufgaben in der Pfarre".
Zu seinen Aussagen, wonach "Harry Potter" satanistisch und Umweltkatastrophen eine Strafe Gottes seien, sagte der neue Weihbischof wörtlich: "Ich habe über Gefahren für die Psyche unserer Kinder, über den Zusammenhang von Katastrophen mit geistiger Umweltverschmutzung gesprochen. Darüber wird man nachdenken müssen, dazu stehe ich".
Im Interview für die Montagausgabe der Tageszeitung "Österreich" präzisierte Wagner, er wolle nicht so interpretiert werden, in Naturkatastrophen eine "Strafe Gottes" zu sehen. Zugleich sehe er einen Zusammenhang zwischen Naturkatastrophen und geistiger Umweltverschmutzung: "Man sieht, wo es hinführt, wenn ich immer mehr haben will und die Welt ausbeute".
Zur zuletzt lebhaften Diskussion über islamischen Religionsunterricht meinte Wagner, wenn dort die Demokratie infrage gestellt werde, sei er dafür, muslimische Lehrer durch den Verfassungsschutz zu kontrollieren. Für ihn stelle sich generell die "wichtige Frage, ob der Islam überhaupt mit der Demokratie in Zusammenhang gesehen werden kann. Der Islam ist tatsächlich eine Gefahr".
"Bitte um jene Toleranz, die auch ich aufbringe"
In einem Interview mit den "Oberösterreichischen Nachrichten" (OÖN) forderte Weihbischof Wagner von seinen Kritikern Toleranz ein. "Natürlich weiß ich, dass es in der Kirche und in unserer Diözese Spannungen gibt", sagte Wagner: "Dass ich selber da irgendwo im Konflikt drin stehe, war mir von Anfang an klar". Die Vorverurteilungen seien "ziemlich heftig". Aber er nehme das nicht persönlich: "Ich glaube, das ist auch ein Kampf in der Kirche, der da durchbricht. Ich möchte jedem begegnen und bitte um jene Toleranz, die auch ich aufbringe".
Im OÖN-Interview sagte Wagner zu seinen umstrittenen Äußerungen über Zusammenhänge zwischen dem Hurrikan "Katrina" und "geistiger Umweltverschmutzung": "Über eine Strafe Gottes, wie dies später hieß, habe ich nie gesprochen. Ich sprach über Zusammenhänge des Lebens. Ein Beispiel: Wenn mein Leben nur vom Haben-Wollen und Nicht-genug-Haben bestimmt ist, wird die Natur darunter leiden".
Was er jenen Initiativen sage, die vielfältige Reformen in der katholischen Kirche verlangen? Wagner: "Ich möchte die Sorge nicht schmälern. Aber die Alternativen, die da angeboten werden (Aufhebung des Zölibats, Diakonat der Frau, die Wiederaufnahme verheirateter Priester ins Amt), sind nicht der richtige Weg. Wir dürfen nicht Substanzielles aufgeben".






