Zeitungskommentare zur Bestellung von Gerhard Maria Wagner zum neuen Weihbischof von Linz
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5.2.09 (Katholisch.at) Fast ausschließlich kritisch haben die heimischen Zeitungskommentatoren die Ernennung des Windischgarstener Pfarrers Gerhard Maria Wagner zum neuen Weihbischof der Diözese Linz aufgenommen. Ausgewogene bzw. positive Reaktionen blieben in der Minderheit.
Andreas Schwarz mutmaßte beispielsweise im "Kurier" (3. Februar), dass mit der Ernennung Wagners auf die katholische Kirche in Österreich wieder unruhige Zeiten zukämen. Kardinal Christoph Schönborn werde durch die Entscheidung zudem in ein Dilemma gestürzt: Es sei ein enger Freund und Vertrauter von Benedikt XVI. und in seiner Überzeugung "konservativer als es sein angenehmes Auftreten ahnen lasse", schrieb Schwarz. Er werde deshalb den Papst auch nicht kritisieren. Auf der anderen Seite sehe sich der Wiener Erzbischof aber "um eine Erfolg betrogen", meinte Schwarz: "Schönborn hat nach der Kirchenaustrittswelle in der Ära Krenn und Groer die katholische Kirche wieder in ruhigere Gewässer geführt. Damit ist es jetzt vorbei."
Konservatives Zukunftsbild für Linz
Über die - aus römischer Sicht - stets deutlich "zu liberale" Diözese Linz sei mit Gerhard Maria Wagner ein Weihbischof gekommen, "der der einst so wohltuend bunten Kirchengemeinde die letzten Farbtupfer nehmen wird", zeigte sich Markus Rohrhofer im "Standard" (3. Februar) überzeugt. Überraschend sei die Entscheidung nicht gekommen, vielmehr sei die Bestellung Wagners wohl das letzte Mosaikstück im "konservativen Zukunftsbild" des Papstes für die "abtrünnige" Diözese.
Letztlich zeige die Entwicklung in der Diözese Linz klar, "dass Rom aus pastoralen Fehlentscheidungen in Österreich nichts gelernt hat und allzu liberale Tendenzen mit der Konservativ-Keule zerbröselt". Für die Diözese Linz hätte es schlimmer wohl kaum kommen können, meinte Rohrhofer. Sein Kollege Hans Rauscher (3. Februar) nahm auf die Satanismus-Vorwürfe Wagners gegen Harry Potter Bezug und schrieb von einer Kirche, die sich mit der Bestellung Wagners zum Weihbischof "lächerlich" mache.
Unterwegs zur Sektengemeinschaft
"Presse"-Chefredakteur Michael Fleischhacker stellt die Ernennung von Gerhard Maria Wagner zum Weihbischof von Linz in eine Entwicklungslinie mit den "Attacken" des Papstes gegen den Relativismus und die Aussöhnung mit der Pius-Bruderschaft. Benedikt XVI. sei dabei, die katholische Kirche in Richtung Sektengemeinschaft zu führen, so Fleischhackers Sicht. Der Papst wolle eine "kleine, streng gehütete Herde, der die Welt da draußen mit ihrer Vielschichtigkeit und Mehrdeutigkeit, mit ihrer Buntheit und ihren vielfältigen Angeboten nichts anhaben kann", ortete Fleischhacker in der Ausgabe vom 2. Februar: "Was da entstehen soll, ist eine Kirche der 100-Prozent-Katholiken, die verschworene Katakombengemeinde der gnadenlos Guten."
Die Kurie nicht im Griff
Heftige Kritik kam auch von Wolfgang Sotill von der "Kleinen Zeitung" (2. Februar). Benedikt XVI. nehme bei der Bestellung eines Weihbischofs ganz bewusst den Vertrauensverlust von tausenden von Katholiken in Kauf, so Sotill, "und das alles nur, weil Rom glaubt, sich über das bisschen möglicher Kirchendemokratie in Form eines Dreiervorschlags autoritär hinwegsetzen zu müssen". Schon festige sich, so Sotill, das Bild des "unbelehrbaren Deutschen" und "mittelalterlichen Kirchenfürsten". Zudem ortet Sotill auch noch eine andere mögliche Erklärung für die päpstlichen Entscheidungen: Benedikt XVI. habe seine Kurie nicht im Griff.
In den Fußstapfen von Krenn
Als "Bischof der strafenden, unbarmherzigen, mittelalterlichen Kirche" und nicht einer "helfenden, verzeihenden und im modernen Leben stehenden" Kirche punzierte "Format"-Chefredakteur Peter Pelinka den künftigen Weihbischof. Wagner trete "mit sichtlicher Wonne" in die Fußstapfen des schwer kranken Kurt Krenn, so Pelinka in einem Kommentar in "News" (5. Februar): "Gut für Atheisten und Journalisten, schlecht für Gläubige und die gesamte Kirche, in der immer weniger Priester wirken (wollen)."
Papst hat in bestem Wissen entschieden
Benedikt XVI. führe seine Kirche nicht an neue Ufer, "sondern er hält sich an der Vergangenheit fest - um nicht zu sagen an der Vorvergangenheit", schrieb Josef Bruckmoser von den "Salzburger Nachrichten" (3. Februar). Der Papst aus Deutschland gehe kirchenpolitisch hinter seinen Vorgänger Johannes Paul II. zurück, so Bruckmoser.
Der "Kampf" um die Diözese Linz passe exakt wie ein Puzzlestein in dieses Bild. Bruckmoser: "Zwei Jahrzehnte lang haben die Bischöfe von Linz und der weitaus größte Teil der Priester und Laien versucht, genau das abzuwenden: Dass ein Pfarrer aus dem erzkonservativen 'Linzer Priesterkreis' Bischof würde - jener Vereinigung, deren geistiger Vater Kurt Krenn ist." Seit der Kür von Joseph Ratzinger im Vatikan habe diese Ernennung eines Weihbischofs in Linz als österreichische Nagelprobe für den Papst gegolten, so Bruckmoser: "Benedikt XVI. kennt Oberösterreich sehr gut. Er hat sich in bestem Wissen entschieden."
Zerreißprobe für Diözese Linz
Weihbischof Wagner und seine Ansichten würden in der Diözese Linz bestenfalls von einer Minderheit geteilt, meinte Gerald Mandlbauer in den "Oberösterreichischen Nachrichten" (1. Februar). Der Vatikan bringe mit Wagners Bestellung aber zum Ausdruck, "dass es die Diözese für einen Sanierungsfall hält". Rom nehme in Kauf, dass die Diözese auf eine Zerreißprobe zuläuft. Dem Kirchenvolk werde vermittelt, dass "der liberale Kurs der letzten Jahre ein Ende hat, dass es der kirchlichen Hierarchie egal ist, wie das Volk denkt und was es will", so Mandlbauer.
Rom provoziere und nehme "selbst den höchsten Preis dafür in Kauf: dass in einer Diözese, die zu den lebendigeren gehört, in der die Laien eine wertvolle Rolle einnehmen, die Leute zwar weiter glauben werden, aber sich von der Institution Kirche abwenden".
Kritik an den Kritikern
Wohlwollend begrüßt wurde Weihbischof Wagner hingegen von Michael Jeannee in seiner Kolumne in der "Kronen Zeitung" (4. Februar). Jeannee geht hart mit den Kritikern Wagners ins Gericht und lobt Wagners Standhaftigkeit - etwa wenn dieser die Journalisten auffordert, nicht immer auf die katholische Kirche "einzuprügeln".
Chance für gemeinsamen Weg
Werner Rohrhofer vom "Neuen Volksblatt" (2. Februar) schließlich versuchte eine vermittelnde Position einzunehmen. Mit der Bestellung Wagners habe man allen Beteiligten einen schlechten Dienst erwiesen. Wagner müsse von Anfang an sein Amt mit der Hypothek antreten, "dass ihn der Vatikan der Diözese Linz - salopp formuliert - 'aufs Aug' gedrückt" habe. Noch ehe Wagner sich Gedanken machen konnte, wie er sein neues Amt anlegen wird, sehe er sich bereits mit einer erheblichen Anzahl von Befürchtungen konfrontiert, wozu allerdings auch Aussagen Wagners aus der Vergangenheit beitragen würden.
Rohrhofer: "In dieser schwierigen Situation hat man zwei Möglichkeiten: Entweder Wagner und seine Kritiker gehen vom ersten Tag an auf Konfrontation oder beide Seiten gehen aufeinander zu. Dass Letzteres der richtige Weg im Sinn einer geschwisterlichen Kirche wäre, steht wohl außer Zweifel. Wagner und seine Kritiker sollten trotz der Anfangs-Hypothek einander und beidseitig die Chance geben, einen gemeinsamen Weg zu gehen."
"Blasphemiker im Ornat der reinen Lehre"
In der deutschen Presse hat die Ernennung Gerhard Maria Wagners zum neuen Linzer Weihbischof insbesondere in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" Beachtung und Niederschlag gefunden. So schrieb Christian Geyer in seinem Kommentar vom 2. Februar, dass es sich bei Wagner um einen "Blasphemiker im Ornat der reinen Lehre" handle. Wagners als "ultrakonservativ" zu bezeichnen sei noch eine Verharmlosung, meinte Geyer.
Vielmehr seien seine "monströsen" Verlautbarungen "menschenverachtend", meinte Geyer im Blick auf Wagners Äußerungen zum Hurrikan von New Orleans und zum Tsunami in Asien zu. Wagner habe den Hurrikan als "Strafe Gottes" gedeutet, den Tsunami kommentierte er mit den Worten: "Ähnlich war es ja beim Tsunami in Asien - wenn die Leute statt Weihnachten zu feiern in den Urlaub fliegen, wird das Gott auf Dauer nicht gefallen". Geyer dazu wörtlich: "Eine Institution, die solche Schmähredner in Amt und Würden setzt, könnte die Autorität, die sie beansprucht, nicht wirksamer hintertreiben."







