Kirchliche Umweltbeauftragte distanzieren sich von Aussagen des designierten Linzer Weihbischofs Wagner
Wien, 11.02.09 (KAP) Die Umweltbeauftragten der österreichischen Diözesen haben sich von "vereinfachenden Aussagen" des designierten Linzer Weihbischofs Gerhard Wagner distanziert, wonach Naturkatastrophen wie der Tsunami im Indischen Ozean oder der New Orleans zerstörende Hurrikan Katrina als "Strafe Gottes" interpretiert werden können. Es sei zwar eine "in der Volksfrömmigkeit verbreitete Meinung, dass alle unerklärlichen und grausamen Naturvorgänge mit dem moralischen Verhalten der Menschen wirkursächlich zusammenhängen". Aber - so die Umweltbeauftragten in einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme - Jesus selbst habe diese Denkweise kritisiert, weil sie letztlich zu einer "Dämonisierung der Schöpfung" und zu einem "verzerrten Gottesbild" führe. Gott sei in erster Linie der Schöpfer und Erhalter des Lebens und "kein willkürlich handelnder Rachegott".
Die weltweit zunehmenden Sturmereignisse seien unzweifelhaft eine Folge der großteils von Menschen verursachten Klimaerwärmung, erklärte Ernst Sandriesser, der Sprecher der österreichweiten Konferenz der kirchlichen Umweltbeauftragten. Darin liege ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Hurrikan Katrina und dem menschlichen Umgang mit der Schöpfung, "und nicht in der Existenz von Bordellen in New Orleans", so Sandriesser.
"Eher eine Selbstbestrafung des Menschen"
Es gelte heute genau hinzusehen, wo Menschen bewusst Gefahren durch ausbeuterischen und achtlosen Umgang mit der Natur herausfordern, wies Sandriesser auf Lawinen, überhöhte Geschwindigkeit im Straßenverkehr u.ä. hin. Kollektives menschliches Handeln zerstöre ökologische Kreisläufe und lasse sensible Systeme durcheinandergeraten. Die globale Umweltkrise ist sicher zu einem großen Teil die Folge einer "Innenweltkrise des Menschen", räumten die Umweltreferenten ein. Deshalb seien Umweltkatastrophen aber keine Strafe Gottes, "sondern eher eine Selbstbestrafung des Menschen durch fahrlässiges und nicht zukunftsfähiges Handeln". An den Folgen der Treibhausgasemissionen der Industrieländer und den damit verbundenen Sturmereignissen, Wüstenbildungen u.a. würden bedauerlicherweise gerade "die Ärmsten der Armen" leiden.
Die kirchlichen Umweltbeauftragten und die kirchlichen Entwicklungsorganisationen versuchten vor dem Hintergrund dieser Entwicklung Bewusstsein für die Schöpfungsverantwortung der Christen zu wecken. Sandriesser verwies auf die Kampagne "Klimagerechtigkeit" sowie auf die österreichweite Aktion "Autofasten".
Informationen: www.klimafairbessern.koo.at und www.autofasten.at






