Designierter Weihbischof im Kirchenzeitung-Interview: "Die ausgestreckte Hand ist für mich etwas ganz Entscheidendes" - "Will niemanden ausgrenzen"
Linz, 11.2.09 (KAP) "Ich komme nicht als Exot, sondern setze auf die vielen Kräfte und bitte um Zusammenarbeit": Das betonte der designierte Linzer Weihbischof Gerhard Maria Wagner in einem Interview für die aktuelle Ausgabe der "Kirchenzeitung der Diözese Linz".
Auch in seiner Pfarre in Windischgarsten sei es sein Weg gewesen, "auf die Zusammenarbeit mit den Menschen zu bauen", so Wagner: "Das Entgegengehen, die ausgestreckte Hand ist für mich etwas ganz Entscheidendes. Es ist wichtig, dass man Hörender bleibt, aber auch weiß: Ich habe eine Verantwortung. Und das wird sich auch immer nur im Hören ereignen können".
Niemand brauche sich vor ihm fürchten, beruhigte Wagner: "Ich bemühe mich um einen menschlichen Umgang. Warum soll es mir nicht gelingen? Und übrigens: Man ist als Weihbischof gar nicht so wichtig". Er sei immer Seelsorger gewesen und wolle das auch in Zukunft bleiben.
Er wolle - so der bisherige Pfarrer von Windischgarsten - nach der Bischofsweihe weiterhin auf die Menschen zugehen und für sie da sein: "Ich hoffe, dass sich viele Gelegenheiten bieten, wo ich den Menschen wirklich begegnen kann, wo ich auch mit Sorgen und Nöten konfrontiert werde und wo ich den Menschen Mut machen kann - den Mut zum Christlichen, zum Katholischen".
Stärken und Korrekturbedarf
Wagner hob in dem Kirchenzeitungs-Interview die Lebendigkeit der Diözese Linz hervor: "Die Stärke liegt im ganz konkreten Apostolat. Da ist viel Bewegung drinnen. Die Leute stehen im Dienst der Kirche, da bewegt sich viel - das muss man positiv feststellen". Er verwies auf seine Pfarre Windischgarsten. Es gebe die Katholische Frauenbewegung und die Männerbewegung - beide seien sehr lebendig - sowie vor allem viel Kinder- und Jugendarbeit.
Korrekturbedarf ortete Wagner hingegen in der grundsätzlichen Marschrichtung der Diözese und dem vorherrschenden Kirchenbild. Die Diözese Linz sei einen zu eigenständigen Weg gegangen. Wagner: "In der Ortskirche von Linz lebt die Kirche, aber sie lebt erst dann, wenn sie eingebunden ist in das Ganze. Ich wünsche mir einfach Loyalität zum Papst und eine intensive Beziehung auch zur Weltkirche". Der designierte Weihbischof bekräftigte, dass er voll zum Zweiten Vatikanischen Konzil stehe: "Das ist für mich gar nicht anders denkbar".
Er schätze die "konstruktive Arbeit der Laien" sehr und erachte sie als "notwendig und dringend", so Wagner. Auf der anderen Seite dürfe man jedoch die Situation des Priesters nicht außer Acht lassen. Er verwehre sich gegen ein Konkurrenzverhältnis, dass durch Laien Priester an den Rand geraten. Wagner: "Wenn aber der Priester als Geweihter für die Seelsorge auch verantwortlich ist, und er dabei in den Laien in verschiedensten Funktionen ein Team und Mithilfe findet, dann ist es eine große Sache. Man soll als Priester machen, was zum Wesen des Priesters gehört, und als Laie, was auch das Wesen des Laien ausmacht".
Stärkung der Berufungspastoral
Zum Priestermangel meinte der künftige Weihbischof, "dass wir alles nützen müssen, um Priesterberufungen zu forcieren". Er habe es sich zur persönlichen Aufgabe gemacht, für die Priester etwas zu tun. Wagner: "Ich möchte ihnen sagen, wie wichtig sie für unsere Zeit sind. Ich denke auch, dass der Priester wieder ein Thema in der Öffentlichkeit werden muss". Er werde sehr stark auf die Berufungspastoral setzen.
Zudem könne er sich - unter entsprechenden Bedingungen - auch Priester aus anderen Kontinenten vorstellen, so Wagner: "Wir sind einst nach Asien und Afrika gegangen, um der Kirche auf die Füße zu verhelfen". Priester aus Übersee in Oberösterreich wären "ein Auftritt der Weltkirche".
Niemanden ausgrenzen
Angesprochen auf den "Linzer Priesterkreis", dem auch Wagner selbst angehört und der eher in Opposition zur Diözesanleitung steht, meinte der Weihbischof, dass er niemanden ausgrenze. Mit seiner Ernennung würden wohl auch die Mitglieder des Priesterkreises wieder stärker in die Mitte der Diözese rücken, da sie sich "jetzt irgendwo verstanden fühlen". Der "Linzer Priesterkreis" sei kein Wächtersystem. Vielmehr handle es sich um Priester, "die sich auch Sorgen machen".
Zur Frage, ob bei den Gottesdienstes, die er im Linzer Dom feiern wird, auch Mädchen ministrieren werden, sagte Wagner: "Der Papst hat Ministrantinnen gestattet. Wenn im Dom welche da sind, werden sie bei mir auch ministrieren".
Wagner betont Wille zur Zusammenarbeit und Loyalität zum Papst






