Pastoraltheologe spricht sich in "Oberösterreichischen Nachrichten" für "runden Tisch" und "offenen Dialog" aus
Linz-Wien, 17.2.09 (KAP) Für einen "Waffenstillstand" der verschiedenen "Lager" in der Diözese Linz hat sich der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner in den "Oberösterreichischen Nachrichten" (Dienstag-Ausgabe) ausgesprochen. Nachdem das "vordergründige Personalproblem Wagner" behoben sei, hofft Zulehner, dass sich jetzt alle Gruppen in der Kirche an einen runden Tisch setzen und auch tiefer liegende Probleme besprechen. Es sei zwar anzunehmen, dass die Befürworter eines Weihbischofs Wagner jetzt ebenso wenig ruhen werden wir die Gegenkräfte, "es wäre aber wichtig, einen Waffenstillstand herzustellen und einen offenen Dialog zu beginnen."
Als Beispiel für den "extremen Problemstau der österreichischen Kirche" nennt Zulehner den Priestermangel, der in Oberösterreich dazu geführt habe, dass "Laien unter Aufsicht eines Priesters mit priesterlichen Aufgaben wie taufen, predigen oder Gemeinden leiten betraut" worden seien. Man können den Laien nicht vorwerfen, sie würden sich "klerikalisieren", vielmehr wäre es nach den Worten Zulehners theologisch sauberer, nach dem Grundsatz vorzugehen: "Wer immer priesterliche Aufgaben wahrnimmt, der muss auch die Weihe empfangen."
Reformbedarf sieht der Pastoraltheologe auch im Vatikan, selbst wenn "Rom bestimmt viel gelernt" habe durch die jüngsten Turbulenzen. Der Vatikan brauche eine tiefgreifende Kurienreform: "In einer Regierung, wo es keinen Ministerrat gibt, gibt es auch keine organisierte Kommunikation." Gäbe es einen "geordneten Kommunikationsfluss", sei auch der "Raum für Seilschaften und Intrigen zugemacht".
"Gute Basis für Entpolarisierung"
Die Wiener Pastoraltheologin Regina Polak ist optimistisch, dass nach dem Hirtenbrief der österreichischen Bischöfe nun anstehende Probleme und Polarisierungen in der katholischen Kirche gelöst werden können. In der "ZiB 24" von Montag auf Dienstag zeigte sich Polak beeindruckt von der Klarheit - "in Sprache und Inhalt" - des Textes der Bischofskonferenz. Die Kirchenleitung habe gezeigt, dass sie Fehler eingestehen und daraus lernen wolle. Sie versuche ihren Dienst an der Einheit der Kirche wahrzunehmen und zwischen Ortskirche und Universalkirche zu vermitteln. Das sei eine gute Basis, um die bestehenden Spannungen und Probleme in der Kirche in Österreich nun gemeinsam anzugehen.
Alle Konfliktparteien seien angehalten, einander zuzuhören und gemeinsam Sorgen und Glaubensperspektiven zu diskutieren, so Polak. Die zentrale Frage laute dabei: "Wie verortet sich Kirche im Jahr 2009 in einer modernen Gesellschaft?" Dazu gebe es unterschiedliche Positionen, die nicht einfach zu harmonisieren seien, räumte die Pastoraltheologin ein. Umso mehr müsse man nun gemeinsam darum ringen, "im Hinhören auf das Evangelium und die Menschen".






